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	<title>Verfaulte Geschichten</title>
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		<title>Für eine offene, vielfältige und solidarische Schweiz</title>
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		<pubDate>Wed, 15 May 2013 14:19:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Verfaulte Geschichten</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger stehen am 9. Juni vor einer wegweisenden Abstimmung: Mit dem revidierten Asylgesetz stehen neben einem gefährlichen Eingriff ins Recht auf Asyl fundamentale rechtsstaatliche Grundsätze auf dem Spiel. von AL-Grossstadtrat Andi Kunz Das revidierte Asylgesetz wurde am 28. September 2012 von der Bundesversammlung verabschiedet und mittels Dringlichkeitsbeschlusses bereits am nächsten Tag in Kraft gesetzt. Mit dem skandalösen Beschluss des Parlamentes, die Vorlage ohne erkennbare Gefährdung wichtiger öffentlicher Interessen für dringlich zu erklären, wurden die Mitentscheidungsrechte der Bevölkerung bewusst ausgehebelt, um Fakten zu schaffen. Für diesen undemokratischen Entscheid gibt es keine rechtspolitisch nachvollziehbaren Gründe. Dank des zustande gekommenen Referendums erhalten die Stimmberechtigten nun aber doch noch die Möglichkeit, zum Asylgesetz Stellung zu beziehen und die Verschärfungen wieder rückgängig zu machen. Vier Gründe für ein wuchtiges NEIN am 9. Juni 1. Abschaffung des Botschaftsverfahrens: Seit Inkrafttreten der Asylgesetzrevision ist es nicht mehr möglich, auf einer Schweizer Vertretung im Ausland ein Asylgesuch zu stellen. Damit wird eine 33 Jahre lange Erfolgsgeschichte abrupt beendet. Seit 1980 konnten dank der so genannten Botschaftsverfahren 2‘572 Menschenleben gerettet werden. Die Abschaffung der Botschaftsverfahren trifft vor allem die Verletzlichsten, allen voran Frauen und Kinder sowie jene Verfolgte, die sich keinen Schlepper für die Flucht nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger stehen am 9. Juni vor einer wegweisenden Abstimmung: Mit dem revidierten Asylgesetz stehen neben einem gefährlichen Eingriff ins Recht auf Asyl fundamentale rechtsstaatliche Grundsätze auf dem Spiel.</strong></p>
<p><em>von AL-Grossstadtrat Andi Kunz</em></p>
<p>Das revidierte Asylgesetz wurde am 28. September 2012 von der Bundesversammlung verabschiedet und mittels Dringlichkeitsbeschlusses bereits am nächsten Tag in Kraft gesetzt. Mit dem skandalösen Beschluss des Parlamentes, die Vorlage ohne erkennbare Gefährdung wichtiger öffentlicher Interessen für dringlich zu erklären, wurden die Mitentscheidungsrechte der Bevölkerung bewusst ausgehebelt, um Fakten zu schaffen.</p>
<p>Für diesen undemokratischen Entscheid gibt es keine rechtspolitisch nachvollziehbaren Gründe. Dank des zustande gekommenen Referendums erhalten die Stimmberechtigten nun aber doch noch die Möglichkeit, zum Asylgesetz Stellung zu beziehen und die Verschärfungen wieder rückgängig zu machen.</p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #0000ff;"><strong>Vier Gründe für ein wuchtiges NEIN am 9. Juni</strong></span></p>
<p>1. Abschaffung des Botschaftsverfahrens: Seit Inkrafttreten der Asylgesetzrevision ist es nicht mehr möglich, auf einer Schweizer Vertretung im Ausland ein Asylgesuch zu stellen. Damit wird eine 33 Jahre lange Erfolgsgeschichte abrupt beendet. Seit 1980 konnten dank der so genannten Botschaftsverfahren 2‘572 Menschenleben gerettet werden. Die Abschaffung der Botschaftsverfahren trifft vor allem die Verletzlichsten, allen voran Frauen und Kinder sowie jene Verfolgte, die sich keinen Schlepper für die Flucht nach Europa leisten können. Dies dürfte noch mehr Personen zur gefährlichen Flucht übers Mittelmeer zwingen und zu weiteren Toten führen.</p>
<p>2. Kriegsdienstverweigerung als Asylausschlussgrund: Am 9. Juni befinden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger auch darüber, ob Kriegsdienstverweigerer in der Schweiz politisches Asyl erhalten oder nicht. Nach dem Willen der Mehrheit der Bundesversammlung sollen Deserteure nicht mehr als Flüchtlinge anerkannt werden. Diese weitreichende Einschränkung des Flüchtlingsbegriffs steht im krassen Widerspruch zu den friedenspolitischen Bemühungen der Schweiz und sie ist ein Affront gegen alle, die unter Einsatz ihres Lebens die aktive Beteiligung an einem bewaffneten Konflikt verweigern.</p>
<p>3. «Besondere Zentren» für «renitente» Asylsuchende: Die Abstimmungsvorlage beinhaltet die Schaffung sogenannt «besonderer Zentren», in welchen «renitente» Asylsuchende untergebracht werden sollen. Wer als «renitent» gilt, darüber schweigt sich das Gesetz jedoch aus. Dies wird zu Willkür führen und bedeutet eine massive Rechtsungleichheit. Dass Asylsuchende alleine aufgrund ihrer «Unfügsamkeit» interniert und ihrer persönlichen Freiheit beraubt werden, ist eine Ohrfeige für unseren Rechtsstaat. Es kann nicht angehen, dass das Asylgesetz zum Ersatz für das Strafrecht wird.</p>
<p>4. Freipass für den Bundesrat für sogenannte «Testphasen im Asylverfahren»: Mit den vom Parlament beschlossenen Änderungen wird der Bundesrat dazu ermächtigt, in den nächsten drei Jahren Testphasen zur Beurteilung neuer Verfahrensabläufe einzuführen und diese vollumfänglich auf dem Verordnungsweg zu regeln. Mit dieser Kompetenzabtretung verzichten die Parlamentarierinnen und Parlamentarier auf ein grosses Stück ihrer Gesetzgebungsverantwortung. Die Verkürzung der Beschwerdefristen gegen asylrechtliche Entscheide von heute 30 auf nunmehr 10 Tage ist eine unnötige Verschärfung und ein schwerwiegender Grundrechtseingriff.</p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #0000ff;"><strong>Welche Schweiz wollen wir?</strong></span></p>
<p>Die Abstimmung vom 9. Juni hat jedoch eine Bedeutung, die über die konkreten Verschärfungen der aktuellen Asylgesetzrevision hinausgeht. Sie stellt die Stimmberechtigten vor grundsätzliche Fragen nach der Ausrichtung der Schweiz sowie ihrem Umgang mit Armut und dem (vermeintlich) Fremden. Sie lauten: Soll die Schweiz im Umgang mit Flüchtlingen weiterhin auf Ausgrenzung, Abschottung und Repression setzen? Soll sie Armut mit immer höheren Grenzzäunen bekämpfen? Sollen schutzsuchende Personen noch stärker als bisher kriminalisiert und entrechtet werden, um die Attraktivität der Schweiz für Verfolgte und in ihrer Existenz bedrohte Menschen zu senken? Sollen Asylsuchende zu Feinden unseres Landes erklärt und in Lagern zu Gefangenen gemacht werden, um sie besser kontrollieren und zur Ausreise bewegen zu können? Wer diese Fragen mit einem Nein beantworten kann und sich zu einer offenen, vielfältigen und solidarischen Gesellschaft bekennen will, muss die Asylgesetzverschärfungen klar ablehnen.</p>
<p>Bei der Abstimmung über das verschärfte Asylgesetz treffen zwei ungleiche Gegner aufeinander. Es ist ein Clash der Weltvorstellungen, der ausgeprägter nicht sein könnte, und der den Charakter eines Kampfes zwischen David und Goliath hat. Auf der einen Seite steht das von der SVP angeführte national-konservative Lager das im Umfang mit den und allgemein dem Fremden seit Jahrzehnten auf Ausgrenzung und Repression setzt. Mit millionenschweren Kampagnen schürt die selbsternannte Volkspartei Angst vor einer Überfremdung der Schweiz. Zu ihren Feinden gehören nicht nur die «fremden Richter» (EU, Gerichtshof für Menschenrechte u.a.), welche nach dem Empfinden der Hüter der Heimat die Schweiz entmachten wollen. Als Projektionsfläche und Sündenböcke für allerlei Missstände müssen vor allem jene Menschen hinhalten, die sich nicht als (echte) Schweizer ausweisen können.</p>
<p>In ihren (Hetz-)Kampagnen propagiert die SVP das Bild einer heilen Schweiz, die von einer und uns feindlich eingestellten Heerschar von Ausländerinnen und Ausländern überrollt und in ihrer Unschuld befleckt zu werden droht. Von «Masseneinwanderung» und dem «Ausverkauf der Schweiz» ist die Rede. «Kulturfremd», «unecht», «anpassungsunwillig» und «renitent» sind beliebte Attribute, die jenen umgehängt werden, die nicht ins Bild der Heimatschützer passen. Migrantinnen und Migranten werden bewusst kriminalisiert und diskreditiert. Die Rettung der Schweiz sehen die Wortführer des national-konservativen Lagers in der Bekämpfung des Fremden durch eine konsequente Abschottung nach aussen. Dies macht sich unter anderem im Ruf nach stärkeren Grenzkontrollen und der Einschränkung des Personenverkehrs bemerkbar. Als Aggressionsableiter mussten bislang vor allem das Asylgesetz und das Ausländergesetz hinhalten.</p>
<p>Es gibt in der Schweiz kein anderes Gesetz, das so häufig überarbeitet wurde wie das Asylgesetz. Die Gesetzesänderungen, die am 9. Juni 2013 zur Abstimmung gelangen, sind bereits die zehnte Revision in der erst 32-jährigen Geschichte des Asylgesetzes. Die Stossrichtung war immer die Gleiche: Die Schweiz soll für Schutzsuchende möglichst unattraktiv gemacht werden. Das Asylgesetz steht heute ganz im Zeichen der Abschottung, Ausgrenzung und Repression. Es ist eigentlich ein Asylverhinderungs- und Polizeigesetz. In Zusammenhang mit dem Ausländergesetz, das zu grossen Teilen die Zwangsmassnahmen im Umgang mit Ausländerinnen und Ausländern regelt, bezweckt es nicht den Schutz sondern in erster Linie die Abwehr von unerwünschten Ausländerinnen und Ausländern. Das national-konservative Lager begnügt sich jedoch schon länger nicht mehr mit der Einschränkung des Asylzugangs. Mit der Ausschaffungs- und Minarett-Initiative hat die SVP auch jene Ausländerinnen und Ausländer ins Visier genommen, die mehrheitlich nicht über ein Asylgesuch Aufnahme in der Schweiz gefunden haben.</p>
<p>Die Gegenspielerin des national-konservativen Lagers ist eine lose Koalition aus politischen Parteien, Asyl- und Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und kirchlichen Kreisen, die sich zu einer offenen, vielfältigen und solidarischen Schweiz bekennt, die im Umgang mit Flüchtlingen Verantwortung übernimmt. <a href="http://www.asyl.ch/komitee/das-abstimmungskomitee/" target="_blank">Dieser Koalition ist es zu verdanken, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger am 9. Juni über die Verschärfungen des Asylgesetzes befinden können.</a> Sie haben gegen die vom Parlament verabschiedeten und für dringlich erklärten Gesetzesänderungen das Referendum ergriffen, das mit über 63‘000 beglaubigten Unterschriften zustande gekommen ist.</p>
<p>Der Zusammenhalt der zahlreichen Koalitionspartner ist zwar inzwischen recht gut eingespielt, bleibt aber lose und situativ. Die finanziellen Möglichkeiten sind lächerlich gering im Vergleich mit der millionenschweren Propagandamaschinerie der SVP und ihren geistig Verbündeten. Der Koalition gelingt es jedoch immer wieder, die finanzielle Übermacht der Gegenspieler mit Hartnäckigkeit und leidenschaftlichem Widerstand wett zu machen. Die ständigen Abwehrkämpfe der vergangenen Jahrzehnte haben der Koalition zwar zugesetzt. In letzter Zeit gelingt es ihnen jedoch immer besser, sich aus der Abwehrhaltung zu lösen und auf zum Teil originelle Art und Weise die Lust am Kämpfen und verlorenes Land zurückzugewinnen<strong>.</strong></p>
<p>Die Abstimmung am 9. Juni hat Stellvertretercharakter. Neben der laufenden Asylgesetzverschärfung kommen in den nächsten Monaten weitere migrationspolitische Vorlagen zur Abstimmung. Einige davon befinden sich noch in der parlamentarischen Debatte. Es geht um die Durchsetzungsinitiative sowie die Masseneinwanderungsinitiative der SVP, die ECOPOP-Initiative, die Totalrevision des Bürgerrechtsgesetzes sowie die Revision des Ausländer- und Integrationsgesetzes. Alle Vorlagen bezwecken die Verschärfung der gesetzlichen Rahmenbedingungen von Migrantinnen und Migranten in der Schweiz. Es ist deshalb umso wichtiger, am 9. Juni mit einem hohen Nein-Stimmen-Anteil ein starkes Zeichen zu setzen.</p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #0000ff;"><strong>Die Panikmache ist unbegründet</strong></span></p>
<p>Dass es im Asylbereich auch Probleme gibt, ist nicht von der Hand zu weisen. Sie stehen jedoch in einem krassen Missverhältnis zur Panikmache der bürgerlichen Scharfmacher, welche die Probleme nicht lösen sondern dramatisieren und davon politisch profitieren möchten. Eine Zahl zur Illustration: Im Jahr 2012 waren nach Angaben von Amnesty International mehr als 42 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung. In der Schweiz befanden sich gleichzeitig insgesamt 44&#8217;863 Asylsuchende. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=CVxmpXt3-Fo" target="_blank">Das entspricht einem Anteil von 0.5 (!) Prozent an der Wohnbevölkerung.</a></p>
<p>Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz 28&#8217;631 Asylgesuche gestellt. Rund ein Drittel der Gesuchstellerinnen und Gesuchsteller wurden jedoch gar nicht erst ins Asylverfahren aufgenommen sondern an andere Länder verwiesen (gemäss Dublin-System). Das sind im internationalen Vergleich lächerliche Zahlen. Zum Vergleich: Von den 1.5 Millionen Menschen, die 2011 während des Bürgerkriegs aus Libyen geflohen sind, kamen lediglich 2 Prozent nach Europa. Die grosse Mehrheit fand in den Nachbarländern Schutz und Hilfe. Obwohl diese Länder weit weniger wohlhabend sind wie die Schweiz, haben sie in grosser Selbstverständlichkeit mehrere 100‘000 Flüchtlinge aufgenommen. Das Gleiche gilt für den Bürgerkrieg in Syrien.</p>
<p>Europa wird entgegen der Panikmache nicht überschwemmt von Flüchtlingen. Die Hauptlast der globalen Flüchtlingsströme tragen die Länder des Südens. Mehr als 80 Prozent aller Flüchtlinge weltweit werden in Entwicklungsländern aufgenommen. Mehr als 40 Prozent aller Flüchtlinge fanden in Staaten Zuflucht, deren Pro-Kopf-Einkommen bei weniger als 3‘000 US-Dollar pro Jahr liegt. Das Schweizer Pro-Kopf-Einkommen liegt bei rund 60‘000 US-Dollar. Von einem «Asylnotstand» kann als keine Rede sein. Der Notstand betrifft wohl eher die fehlende Solidarität, die unwürdige politische Auseinandersetzung mit der Problematik sowie die zunehmende Entrechtung und Kriminalisierung jener, die bei uns um Schutz vor Verfolgung nachfragen. Und er betrifft den Umgang mit Asylgesuchen, die beim Bundesamt für Migration (BFM) bewusst liegen gelassen werden.</p>
<p>Der Ruf nach Beschleunigung der Verfahren wird vor diesem Hintergrund ziemlich zynisch. Die Priorisierung des BFM ist skandalös und unmenschlich. Das BFM konzentriert sich bei der Beschleunigung gegenwärtig vor allem auf die Nichteintretensentscheide und die Asylgesuche mit potentiell negativem Ausgang. Asylgesuche, die positiv im Sinne einer Anerkennung als Flüchtling oder einer vorläufigen Aufnahme beantwortet werden müssten, verschwinden hingegen im Keller des BFM und bleiben zum Teil jahrelang unbeantwortet. Diese Praxis hat nur reinen Effekt: Die Attraktivität der Schweiz als Aufnahmeland zu vermindern und die Integration der Betroffenen zu behindern.</p>
<p>Die seit Jahren drehende Verschärfungsspirale lässt Menschen untergehen: Mindestens 1‘500 Männer, Frauen und Kinder sind 2011 bei der Flucht übers Mittelmeer umgekommen. Eine Mitschuld daran tragen jene, die die Mauern um Europa immer höher ziehen und die Flüchtlinge dazu zwingen, immer grössere Risiken auf sich zu nehmen. Die Abschaffung des Botschaftsverfahrens dürfte weitere Personen zur gefährlichen Flucht übers Mittelmeer zwingen und zu weiteren Toten führen.</p>
<p>Wir dürfen uns keine Illusionen machen: Wir werden die Abstimmung am 9. Juni verlieren. Aber das darf uns nicht davon abhalten, gegen die Scharfmacher und für die Betroffenen Partei zu ergreifen. Gemeinsam gelingt es uns, ein starkes Zeichen gegen Ausgrenzung und Repression zu setzen. Wir wissen, dass wir den Kampf früher oder später gewinnen werden. Die selbsternannten Hüter der wahren Schweiz mögen sich in ihr Reduit zurückziehen – die Schweiz ist jedoch schon längst multikulturell, vielfältig und bunt. Es liegt an uns, die Scharfmacher mit der Wahrheit zu konfrontieren.</p>
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		<title>Vom Alltag eines «Schaff-losers»</title>
		<link>http://www.verfaultegeschichten.ch/2013/05/07/vom-alltag-eines-schaff-losers/</link>
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		<pubDate>Tue, 07 May 2013 14:08:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erne</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist ein sonniger Samstagvormittag Anfang April. Rubén Fructuoso tritt im hellblauen Blazer auf den Platz vor dem Kino Kiwi Scala und begrüsst alle, die sich zur Vorpremiere seines Filmdebüts «Erbsünde» eingefunden haben, mit einem freundlichen Handschlag. Der Neo-Regisseur ist nervös, denn seine Freunde und Familienmitglieder, von denen nicht wenige am Film mitgewirkt haben, sind zwar zahlreich erschienen, doch sein Hauptdarsteller und Drehbuch-Co-Autor lässt auf sich warten. Als Rapper Gran Purismo auch eine halbe Stunde nach dem angesagten Vorführungstermin noch immer nicht aufgetaucht ist, bittet Fructuoso schliesslich ins Innere.  *** Im Eingangsbereich gibts Popcorn und im grossen Saal im Parterre schnappt sich der junge Mann, der sich in den letzten Jahren als Künstler und Fotograf einen Namen gemacht hat, ein Mikrofon und erzählt, wie das Filmprojekt entstanden ist. 2011 habe ihm Iván Fernández, der später beim Dreh von «Erbsünde» die Kamera führte, einen Foto-Job für Gran Purismo vermittelt. GP hatte gerade sein neues Album «Neorrealismo» veröffentlicht. Dort seien sie, die sich schon von den spanischen Anlässen ihrer Eltern her kannten, nach Jahren wieder aufeinander getroffen und GP habe ihm von einer wagemutigen Idee erzählt – davon, ein Drehbuch zu schreiben für einen Spielfilm, wie ihn das Munotstädtchen noch nie gesehen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ein sonniger Samstagvormittag Anfang April. Rubén Fructuoso tritt im hellblauen Blazer auf den Platz vor dem <a href="http://www.kiwikinos.ch/programm/schaffhausen" target="_blank">Kino Kiwi Scala</a> und begrüsst alle, die sich zur Vorpremiere seines Filmdebüts «Erbsünde» eingefunden haben, mit einem freundlichen Handschlag.</p>
<p>Der Neo-Regisseur ist nervös, denn seine Freunde und Familienmitglieder, von denen nicht wenige am Film mitgewirkt haben, sind zwar zahlreich erschienen, doch sein Hauptdarsteller und Drehbuch-Co-Autor lässt auf sich warten. Als Rapper <a href="http://granpurismo.com/" target="_blank">Gran Purismo</a> auch eine halbe Stunde nach dem angesagten Vorführungstermin noch immer nicht aufgetaucht ist, bittet Fructuoso schliesslich ins Innere.</p>
<p align="CENTER"> ***</p>
<p>Im Eingangsbereich gibts Popcorn und im grossen Saal im Parterre schnappt sich der junge Mann, <a href="http://www.rubenfructuoso.com/" target="_blank">der sich in den letzten Jahren als Künstler und Fotograf einen Namen gemacht hat</a>, ein Mikrofon und erzählt, wie das Filmprojekt entstanden ist.</p>
<p>2011 habe ihm Iván Fernández, der später beim Dreh von «Erbsünde» die Kamera führte, einen Foto-Job für Gran Purismo vermittelt. GP hatte gerade sein neues Album «Neorrealismo» veröffentlicht. Dort seien sie, die sich schon von den spanischen Anlässen ihrer Eltern her kannten, nach Jahren wieder aufeinander getroffen und GP habe ihm von einer wagemutigen Idee erzählt – davon, ein Drehbuch zu schreiben für einen Spielfilm, wie ihn das Munotstädtchen noch nie gesehen habe.</p>
<p>Die Neugier muss bei Fructuoso grösser gewesen sein wie seine Ehrfurcht vor unbekanntem Terrain. Zusammen hätten sie ein Drehbuch ausgearbeitet, bei der <a href="http://www.sh.ch/Kulturfoerderung.188.0.html" target="_blank">Kulturförderung</a> eingereicht und seien prompt mit 20&#8217;000 Franken unterstützt worden. Danach: Dreh nach dem Try-and-Error-Prinzip, zwei Monate Schnitt, Tonmastering bei Simon «Konfus» Gasser und fertig sei der Fünzigminüter gewesen.</p>
<p>Jetzt, da alles im Kasten sei, erklärt Fructuoso darauf, wisse er selber nicht so genau, worum es in ihrem Film eigentlich gehe. Er habe versucht, das für die <a href="http://www.ersparniskasse.ch/de/desktopdefault.aspx" target="_blank">Ersparniskasse</a>, die Sponsorin der Premiere, die dann im Juni stattfinden werde, zusammenzufassen. Am ehesten noch so: Es gehe um den Alltag und die Fragen ans Leben eines jungen Mannes. «Erbsünde» zeige eine Sicht von Welt, wenn man in Schaffhausen wohne.</p>
<p>Dann dankt Fructuoso allen Beteiligten: den Geldgebern, der Crew, den Schauspielern, dem Kiwi, dem <a href="http://jazzartcafe.ch/webshop/" target="_blank">JazzArt Café</a>, dem <a href="http://www.shf.ch/" target="_blank">Schaffhauser Fernsehen</a> und dem <a href="http://www.orient.ch/" target="_blank">Orient</a>, wo gedreht werden durfte. Die Vorpremierengäste applaudieren, der Saal wird abgedunkelt und der Film beginnt.</p>
<p><em>Ein Auto fährt durch die Schaffhauser Nacht, während <a href="https://www.youtube.com/watch?v=JQyxKo-I9eE" target="_blank">«Every Minute Alone» von Who Made Who</a> aus den Boxen dröhnt. Wir haben die Sicht der Scheinwerfer auf die Strassen. Darüber werden die Credits eingespielt. Wir verfolgen die Fahrt, bis das Auto in eine Nebenstrasse einbiegt und kurz vor einem Garagentor anhält. Jemand steigt aus und öffnet das Garagentor. Dann wird das Bild schwarz und eine weisse Schrift kündigt ein erstes Kapitel an: 1. Früher.</em></p>
<p><em>Aufblende. Die Kinoleinwand als Spiegel: Wir blicken in den Kiwi-Kino-Saal, in welchem wir sitzen. Er ist fast leer. Lediglich in einer der unteren Reihen sitzen vier Typen, unterhalten sich, mampfen Popcorn und anderen Knabberkram. Wir hören nicht was sie sagen. Stattdessen hören wir den Ton zum Film der im Kino läuft. Es muss eine Komödie mit Robert de Niro sein. Später wird eine Frau von der Vorführerin mit der Taschenlampe in den Saal geführt. Einer der vier Typen blickt kurz hoch, und quatscht dann weiter</em></p>
<p>Diese Einstellung, in welcher wir die Hauptfigur (jener der vier jungen Männer, der sich von der verspäteten Kinobesucherin ablenken lässt) zum ersten Mal zu Gesicht bekommen, sie dauert geschlagene vier Minuten. Fructuoso scheint kein Freund schneller Schnitte zu sein. Und das wird im Verlauf der weiteren vier Kapitel seines Regiedebüts (2. Gestern, 3. Heute, 4. Oder später, 5. Morgen) immer deutlicher: Wieder und wieder lässt er seinen Kameramann minutenlang frontal draufhalten, um seine Hauptfigur in Szene zu setzen:</p>
<p><em>Wir sehen den jungen Mann in einem spärlich eingerichteten Wohnzimmer TV gucken (Kamera vom Fernseher in die Stube hinein).</em></p>
<p><em>Wir sehen ihm am nahen Ende eines langen Bürogangs beim Kopieren zu (Kamera hinter dem Kopierer in den Gang hinein).</em></p>
<p><em>Wir sehen ihn gelangweilt an der Bar im Orient Bier trinken, während die Crowd dahinter zu einem Dubstep-Track ausflippt (Kamera hinter dem Thresen in den Club hinein).</em></p>
<p><em>Wir sehen ihn betrunken an der Bar im Orient einen Typen zulabern, während im Hintergrund bereits das Putzlicht an ist (Kamera hinter dem Thresen in den Club hinein).</em></p>
<p>Diese langen Einstellungen in der Totalen oder Halbtotalen wirken wie zum Leben erweckte Gemälde eines Alltags aus Abhängen, Arbeit und Zerstreuung. Dass dabei nie Langeweile aufkommt, ist Fructuosos Hang zu durchkomponierten Bildern zu verdanken: Er versteht es formidabel, den Vordergrund mit dem Hintergrund zu kontrastieren (hier der ins Bierglas starrende Mittzwanziger an der Bar, dort die ausgelassen feiernde Menge) oder zu verstärken (hier der Mann am Kopierer, dort die Leere des Bürogangs) und schon alleine dadurch Spannung zu erzeugen.</p>
<p>Ein nicht weniger feines Auge beweist Fructuoso (und nicht zu vergessen: Kameramann Fernández) aber auch in den gegliederten Szenen – von den Kamerapositionen über die Einstellungsgrössen bis hin zum Schnittrhythmus. Wüsste man nicht, dass hier Laien am Werk waren, die Vermutung würde sich zu keinem Zeitpunkt aufdrängen.</p>
<p>Gleiches gilt für die Besetzung: Hauptdarsteller Gran Purismo sorgt für die vielen Höhepunkte des Films. Etwa dann, wenn er an der Bar im Orient einem Typen – notabene über fünf Minuten hinweg – die selbstgestellte Frage beantwortet, wann Gott menschlich und der Mensch göttlich werde. Oder dann, wenn er – im Stile eines Youtube-Videos gefilmt – so tut, als ob er <a href="https://www.youtube.com/watch?v=HuTj0FGYils" target="_blank">Ella Fitzgeralds «Imagine My Frustration»</a> singen würde und dazu tanzt. Wer den Rapper kennt, weiss um seinen Scharfsinn und seine Gabe als Alleinunterhalter. Die Rolle des eigenwilligen Mittzwanzigers wurde GP auf den Leib geschrieben.</p>
<p>Aber auch die NebendarstellerInnen überzeugen, spielend wie sprechend: Die Freunde dieses Munotstädter Antihelden; die Frau, die mit ihm im JazzArt Café büffelt und mit der sich so etwas wie eine gescheiterte Liebesgeschichte ergibt; die Frau, die ihn frühmorgens an der Bar anspricht und dann links liegen lässt, weil der nicht recht flirten will (vor dem Abgang haucht sie ihm «Loser» ins Ohr, was ihn zum Wortspiel «Schaff-loser» inspiriert).</p>
<div id="attachment_7226" class="wp-caption alignnone" style="width: 570px"><a href="http://www.verfaultegeschichten.ch/wp-content/uploads/2013/05/Schaff-loser.jpg"><img class="size-large wp-image-7226" title="Schaff-loser" src="http://www.verfaultegeschichten.ch/wp-content/uploads/2013/05/Schaff-loser-1024x580.jpg" alt="" width="560" height="317" /></a><p class="wp-caption-text">Der Säufer zu seinem Bierglas: «Flüg wenen Falk, Schaff-loser! Flüg wenen Falk!»</p></div>
<p>Und dann ist da noch dieser Typ, den die Hauptfigur an der Bar zutextet. Er taucht nur dann auf, wenn sie alleine ist – beim Rauchen auf dem Balkon, beim Joggen, beim Fernsehen, beim Aufwachen im Bett –, erteilt Ratschläge und verschwindet teils so unvermittelt wie er gekommen ist. Was soll dieser gespensterhafte Typ darstellen? Einen Toten, den die Hauptfigur nicht loslassen kann? Oder ihr schlechtes Gewissen?</p>
<p>Die fünfzig Minuten sind beinahe um.</p>
<p><em>Fade to. Ein Auto fährt nachts auf einer Überlandstrasse (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=z2oxEihXghY" target="_blank">zu «Hammerhead» von Jeff Beck</a>). Da erfasst das Scheinwerferlicht plötzlich jemanden am Strassenrand. Und im kurzen Moment als die Gestalt die Strasse vor dem Auto überquert, glaubt man ihn ein letztes Mal erkannt zu haben.</em></p>
<p>Der Film ist zuende, der Abspann ebenfalls. Da flimmern Outtakes über die Leinwand:</p>
<p><em>Wir sehen GP an der Orient-Bar. Er flucht herzhaft mit imitiert spanischem Akzent</em>; <em>Wir sehen GP, der Anweisungen der Regie bekommt, wie man mit dem PW-Automaten rückwärts fährt. Ein erster Versuch scheitert. Ein zweiter. Ein dritter.</em></p>
<p>Und wenn es schon während des Films Momente gab, welche die melancholische Grundstimmung komisch brachen, wird nun erst recht herzhaft gelacht. Dann: Applaus und ab.</p>
<p align="CENTER">***</p>
<p>Er ist doch noch aufgetaucht. Gran Purismo steht draussen in der Sonne, schützt seine müden Augen vor dem gleissenden Licht mit verdunkelten Brillengläsern und raucht. Er habe es erst zur Halbzeit geschafft, sagt GP, begrüsst Freunde, die ins Helle treten, nimmt Lob entgegen und verteilt eben solches: dem Regisseur, dem Kameramann, ja, allen Beteiligten.</p>
<p>Zurecht: Fructuoso, Fernández und Gran Purismo ist das Kunststück gelungen, einen Spielfilm über ihre Heimatstadt zu produzieren, der ohne eigentliche Handlung auskommt und dennoch über die vollen fünfzig Minuten funktioniert. «Erbsünde» unterhält mit einer eigenwilligen Bildsprache, einer starken Besetzung sowie grossen und kleinen Dialogideen – und lässt einen mit Fragen zurück.</p>
<p>Nochmal: Was zum Teufel soll dieser gespensterhafte Typ darstellen? Aber auch: Was hat es mit dem Filmtitel auf sich? Und schliesslich: Wie lebt man ein lohnendes Leben als «Schaff-loser»?</p>
<p><strong>Die Premiere von «Erbsünde» findet am 15. Juni 2013 im Kino Kiwi Scala statt.</strong></p>
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		<title>Fünf Jahre Schäferei – ein Jubelgesang!</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Apr 2013 16:54:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Verfaulte Geschichten</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nicht auszudenken, was geschehen wäre, hätte die Mehrheit der Schweizer Wahl- und Stimmberechtigten im Spätsommer letzten Jahres die zweite Rauchverbotsinitiative der Lungenliga innerhalb von nur zwei Jahren nicht bachab geschickt. So aber dürfen wir in der Schäferei – dieser schaurigschönen Rock&#8217;n'Roll-Bar an der Webergasse 16 – nach wie vor schloten, bis wir Schleim husten. Auch das macht sie zu einem der letzten Reservate für unsereiner. Ob Punkerin, Metalhead, Journalistin oder Staatsanwalt: Sie alle trinken sich dort Abend für Abend durch die zwanzig Biere, diverse Schnäpse und – vom «Mexikaner» über den «Motorex» zur «Schwarzen Sau» – selbstgemixte Shots umfassende Getränkekarte, quatschen sich schlau, schunkeln mit zu Rockabilly-, Punk-, Reggae- oder -Soul-Klassiker aus der Jukebox, wippen mit, wenn mal wieder eine Band für einen Handkuss aufspielt und (es kann nicht oft genug betont werden): rauchen, rauchen, rauchen. Und das bereits seit einer gefühlten Ewigkeit. Dabei ist es erst fünf Jahre her, dass Simon Langhart und Salomé Jaquet, zwei Fassbeizler mit wunderbar schlechtem Geschmack, in dieser Beiz, die eine Ewigkeit lang von der sagenhaften Yvonne bewirtschaftet worden war, die ersten Wände bemalten, den Hamburger Jung und Altpunk Frank Windelband mit ins Boot holten und damit den Anfang machten für unser gegenwärtiges Glück – [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht auszudenken, was geschehen wäre, hätte die Mehrheit der Schweizer Wahl- und Stimmberechtigten im Spätsommer letzten Jahres die zweite Rauchverbotsinitiative der Lungenliga innerhalb von nur zwei Jahren nicht bachab geschickt. So aber dürfen wir in der <a href="http://schaeferei-bar.ch/" target="_blank">Schäferei </a>– dieser schaurigschönen Rock&#8217;n'Roll-Bar an der Webergasse 16 – nach wie vor schloten, bis wir Schleim husten.</p>
<p>Auch das macht sie zu einem der letzten Reservate für unsereiner. Ob Punkerin, Metalhead, Journalistin oder Staatsanwalt: Sie alle trinken sich dort Abend für Abend durch die zwanzig Biere, diverse Schnäpse und – vom «Mexikaner» über den «Motorex» zur «Schwarzen Sau» – selbstgemixte Shots umfassende Getränkekarte, quatschen sich schlau, schunkeln mit zu Rockabilly-, Punk-, Reggae- oder -Soul-Klassiker aus der Jukebox, wippen mit, wenn mal wieder eine Band für einen Handkuss aufspielt und (es kann nicht oft genug betont werden): rauchen, rauchen, rauchen. Und das bereits seit einer gefühlten Ewigkeit.</p>
<p>Dabei ist es erst fünf Jahre her, dass Simon Langhart und Salomé Jaquet, zwei Fassbeizler mit wunderbar schlechtem Geschmack, in dieser Beiz, die eine Ewigkeit lang von der sagenhaften Yvonne bewirtschaftet worden war, die ersten Wände bemalten, den Hamburger Jung und Altpunk Frank Windelband mit ins Boot holten und damit den Anfang machten für unser gegenwärtiges Glück – die heuer von Marco 3000 besungene «Bar with Balls».</p>
<p>Die neue Schäferei wurde am 1. Mai 2008 eröffnet, herausgeputzt und frisch gestrichen: rote Wände hinter der Bar; rote Wände um den Stammtisch (von einer prangt seither ein Gemälde, das – Redundanzalarm! – Schafe auf der Weide zeigt); ein Tigerfell an der Decke darüber; eine alte Ziertapete an der Wand neben dem Tisch neben dem Zigiautomaten (der Tisch wird im Fachjargon deshalb Opa-Ecke genannt); zwei Holzgemälde (eine Meerjungfrau, ein Piratenschiff) von Milk-and-Wodka-Mann Remo Keller links und rechts der Tische im oberen Bereich gleich neben dem Eingang. Und nachdem Nancy Gamper, die heute den Laden zusammen mit Frank schmeisst, im Juli des Jahres eingestiegen war, erstrahlten auch die restlichen Wände in leuchtendem Punk: Zusammen mit Hauswart Luigi De Luca bemalte sie die Wände der Chnelle auf Hüfthöhe mit einem Zebramuster, den Gang zu den Toiletten rot mit güldenen Sternchen und Stefan Kiss stiftete die <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_Clash" target="_blank">Clash</a>-Ikone neben der Jukebox.</p>
<p>«There is no love, there is just interior design and furniture», spottet <a href="http://www.davidshrigley.com/" target="_blank">David Shrigley</a>. In der Schäferei verhält es sich so: Da steckt so viel Liebe drin, sie muss sich selbst an die Wände, an die Decken und in die vielen Nischen ausbreiten.</p>
<p>Salomé erhörte bald den Ruf einer neuen Herzensangelegenheit, eröffnete zusammen mit Sämi Hartmann und anderen den <a href="http://www.clubcardinal.ch/" target="_blank">Club Cardinal</a>. Simon, spektakulärer Kontrabassist der <a href="http://thepeacocks.ch/" target="_blank">Peacocks</a>, arbeitete bald wieder in der Fassbeiz, weil es die ausgiebigen Touren der Band nicht anders zuliessen, veranstaltet seither jedoch einmal pro Monat die Plattenbörse in der Schäferei, wo alte Scheiben gekauft oder getauscht werden können. Nancy, Frank und Luigi machten die Schäferei seither aber noch mehr zu einem Ort, an dem Jede und Jeder willkommen geheissen wird, auch wer nicht tätowiert, gepierct oder sonstwie abartig aussieht, auch wer nicht unflätig laut spricht – es sei denn er trägt ein Nazi-T-Shirt, dann wird er vom Einsneunzigkasten Frank so anständig wie bestimmt vor die Tür gestellt.</p>
<div id="attachment_7167" class="wp-caption alignnone" style="width: 563px"><a href="http://www.verfaultegeschichten.ch/wp-content/uploads/2013/04/foto.jpg"><img class=" wp-image-7167" title="Schäferei" src="http://www.verfaultegeschichten.ch/wp-content/uploads/2013/04/foto.jpg" alt="" width="553" height="415" /></a><p class="wp-caption-text">Luigi hatte leider keine Zeit für ein Gruppenfoto. Frank und Nancy flankieren dafür Joel, seit einem Weilchen der zweite Schäferei-Barmann.</p></div>
<p>Die Schäferei gehört seit eineinhalb Jahren nicht mehr zum Fass-Imperium, ist unabhängig und schreibt eine schwarze Null. Auch das muss erwähnt werden, wenn am kommenden Samstag der fünfte Geburstag gefeiert wird. Man befindet sich aber nach wie vor in guter Nachbarschaft: Georg Freivogel vom <a href="http://www.buecherfass.ch/" target="_blank">BücherFass</a> stellt seinen Aussenbereich zur Verfügung, eine Plane überdacht die ganze Gassenbreite, wo Festbänke zum Trinken und Rauchen einladen werden.</p>
<p>Der Barthresen wird zur Abwechslung vom Inneren der Punkerchnelle ins Freie reichen. Am Bierrad entscheidet das Glück über noch billigeres Bier. Den Hunger zwischen den Bieren stillt ein Teller Paella aus der Centro-Andaluz-Küche. Und dann gibt es erst recht die volle Dröhnung Musik: Marco 2500 (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=O2cEK4V80Cc" target="_blank">Marco 3000</a> Solo) spielt draussen auf der Gasse und danach stehen Mikrofon, Schlagzeug, Gitarre- und Bass-Amp bereit, selber krach zu machen, bis das Konzert mit den Locals vom <a href="http://www.myspace.com/lofatorchestra" target="_blank">Lo Fat Orchestra</a> und der Zürcher Punkcombo <a href="http://www.myspace.com/seniles" target="_blank">The Seniles</a> im Fasskeller beginnt. Und ganz zum Schluss, wenn es wie gewohnt um 23 Uhr ins Innere geht, weil man die Anwohner nicht verschrecken will, legt DJ Smi seine Lieblingsplatten auf.</p>
<p>Das Schäferei-Team arbeitet hart, an diesem 5-Jahre-Jubiläums-Fest darf es für einmal aber auch hart trinken: Den Service übernehmen Gäste der Beiz. Wobei, zusaufen ist trotzdem nicht, schliesslich wollen der Fasskeller und die Gasse wieder geputzt werden. Auch dafür gebührt ihnen von uns, die wir uns am 4. Mai freudig abschiessen dürfen, ein grosses Dankeschön!</p>
<p><em>5 Jahre Schäferei feat. Marco 2500 (SH), Lo Fat Orchestra (SH), The Seniles (ZH), DJ Smi (SH), Bierrad (SH), Paella (SH) etc. pp.</em></p>
<p><em>Samstag, 4. Mai 2013, Webergasse 13/16</em></p>
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		<title>DJane? She-DJ? Muschi-Mischer?</title>
		<link>http://www.verfaultegeschichten.ch/2013/04/23/djane-she-dj-muschi-mischer/</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Apr 2013 10:40:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erne</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Männer spielen in Bands, bilden DJ-Crews, treten als Veranstalter von Konzerten und Partys auf – das ist auch diesseits des Rheins die Regel. Eine der wenigen Ausnahmen ist die NZN-Crew von Herr Mehr, Fredi B., KOONI und Rina Lou, die in Schaffhausen seit einem Jahr für Partys im Ausnahmezustand sorgen. Und da auch auf diesem Kanal vornehmlich Männer zu Wort kommen, traf ich mit Rina Lou, um über ihren musikalischen Werdegang und die anstehende, zweite NZN-Outdoor-Saison zu sprechen. Wir machten es uns letzten Samstag gegen 15 Uhr im Club Cardinal gemütlich. Der Club-Chef und die Club-Chefin waren noch damit beschäftigt, Ordnung ins Chaos zu bringen, das vom vorabendlichen Konzert mit Bernadette La Hengst übrig geblieben war. Und Rina Lous Freunde machten sich daran, den Club für die abendliche Stubete mit Herr Mehr und Fredi B. herzurichten. Es wurde geputzt, gebastelt, gehämmert und dazwischen gerufen – Kopfschmerzalarm bei der jungen Frau, die mir kurz vorher geschrieben hatte, sie sei noch «idä Brüch» und komme deshalb etwas später zum verabredeten Termin. Verfaulte Geschichten: Was hast du gestern Abend gemacht? Rina Lou: Ich war an einer Party im TapTab – GUTE, wo etwa die gleiche Musik läuft, die ich auch auflege. Und es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Männer spielen in Bands, bilden DJ-Crews, treten als Veranstalter von Konzerten und Partys auf – das ist auch diesseits des Rheins die Regel. Eine der wenigen Ausnahmen ist die NZN-Crew von Herr Mehr, Fredi B., KOONI und Rina Lou, die in Schaffhausen seit einem Jahr für Partys im Ausnahmezustand sorgen. Und da auch auf diesem Kanal vornehmlich Männer zu Wort kommen, traf ich mit Rina Lou, um über ihren musikalischen Werdegang und die anstehende, zweite NZN-Outdoor-Saison zu sprechen.</p>
<p>Wir machten es uns letzten Samstag gegen 15 Uhr im <a href="http://www.clubcardinal.ch/" target="_blank">Club Cardinal</a> gemütlich. Der Club-Chef und die Club-Chefin waren noch damit beschäftigt, Ordnung ins Chaos zu bringen, das vom vorabendlichen Konzert mit <a href="http://lahengst.com/" target="_blank">Bernadette La Hengst</a> übrig geblieben war. Und Rina Lous Freunde machten sich daran, den Club für die abendliche Stubete mit Herr Mehr und Fredi B. herzurichten. <em>Es wurde geputzt, gebastelt, gehämmert und dazwischen gerufen</em> – Kopfschmerzalarm bei der jungen Frau, die mir kurz vorher geschrieben hatte, sie sei noch «idä Brüch» und komme deshalb etwas später zum verabredeten Termin.</p>
<p><strong>Verfaulte Geschichten: Was hast du gestern Abend gemacht?</strong></p>
<p><strong>Rina Lou:</strong> Ich war an einer Party im TapTab – <a href="http://www.nordagenda.ch/-GUTE--nordagenda-73791-19.04.2013-2013.html" target="_blank">GUTE</a>, wo etwa die gleiche Musik läuft, die ich auch auflege. Und es ist halt spät geworden.</p>
<p><strong>Geht das bei dir unter Studienaufenthalt?</strong></p>
<p>Das könnte man so sehen. Natürlich ist es nicht immer der Fall, dass ich mich weiterbilde, wenn ich auf Partys gehe. Aber ich schaue schon gerne, wie es andere DJs machen.</p>
<p><strong>Wie sagst du der Musik, die du als DJ spielst?</strong></p>
<p>Ich nenne sie Deep-House und Tech-House.</p>
<p><strong>Was läuft bei dir daheim?</strong></p>
<p>Das Gleiche. Ich höre generell sehr viel Musik, oft auch Mixes von anderen DJs.</p>
<p><strong>Welche da wären?</strong></p>
<p>Hm. Momentan viele nationale: Das Zürcher Label <a href="http://miteinandermusik.ch/" target="_blank">Miteinander Musik</a> bringt tolle Acts wie <a href="https://soundcloud.com/manuellemusik" target="_blank">Manuelle Musik</a>, <a href="https://soundcloud.com/pablo-einzig" target="_blank">Pablo Einzig</a> oder <a href="https://soundcloud.com/abdelhady" target="_blank">Abdel Hady</a> hervor. Ein Basler DJ, dessen Mixes ich mag, ist <a href="https://soundcloud.com/herrvogel-1" target="_blank">Herr Vogel</a>. Und dann wären da natürlich auch noch unzählige DJs aus dem Ausland&#8230;</p>
<p><strong>Alles Jungs?</strong></p>
<p>Alles Jungs.</p>
<p><strong>Wie steht es um die Frauen?</strong></p>
<p>Die gibt es natürlich auch. <a href="http://blog.zeit.de/tontraeger/2012/03/23/nina-kraviz_12215" target="_blank">Nina Kraviz</a> ist beispielsweise eine meiner Vorbilder. Aber Frauen am DJ-Mischpult sind schon immer noch eine Seltenheit. Es überrascht auch viele Leute, wenn ich ihnen erzähle, dass ich auflege. Vor allem Männer erwarten das nicht von einer Frau, sind eher misstrauisch. Aber wenn sie mich hören, ändert sich das dann schon.</p>
<p><em>Gehämmer. Neben uns nageln Herr Mehr, Fredi B. und KOONI alte Familienfotos aus dem Brocki ans Holztäfer des Clubs. Das Deko-Konzept der Stubete.</em></p>
<p><strong>Wann bist du eigentlich zum ersten Mal aufgetreten?</strong></p>
<p>Während <a href="http://www.nordagenda.ch/Rave-Now--Apologize-Later-nordagenda-59582-31.03.2012-2012.html" target="_blank">KOONI 25</a>, im März letzten Jahres im TapTab. Sie hat sich das gewünscht zu ihrem Geburtstag, dass ich an ihrer Party auflege. Ich habe echt nicht geplant, dass es danach noch weitergeht.</p>
<p><strong>Wie hast du dich darauf vorbereitet?</strong></p>
<p>Ich habe sehr viel Zeit mit Fredi B. verbracht. Er hat mich instruiert und wir haben dann auch am Abend zusammen gespielt – also: gleichzeitig. Ich habe mein ganzes Können von ihm. Damals habe ich noch mit einem Midi-Controller aufgelegt, mit einem Gerät, das man an den Laptop anschliesst. Jetzt bin ich aber daran, mit CD-Playern zu spielen. Das ist ein bisschen schwieriger. Auf dem Laptop sind die Tracks visualisiert, du siehst, was passiert. Das hast du mit den CDs nur in reduzierter Form. Du musst deine Tracks also viel besser kennen.</p>
<p><strong>Du machst schnell vorwärts. Ans Produzieren von eigenen Tracks hast du dich auch schon gewagt?</strong></p>
<p>Nein, noch nicht. Ich habe es mir jedoch für den Sommer vorgenommen. Bis dahin kann man <a href="https://soundcloud.com/rinalou/" target="_blank">meine Mixes auf Soundcloud</a> hören. Vorher kommt aber noch ein anderer, wichtiger Schritt: Im Mai spiele ich im <a href="http://www.hiveclub.ch/" target="_blank">Hive</a>, zusammen mit <a href="https://soundcloud.com/vanita" target="_blank">Vanita</a>. Ich habe zwar auch schon in Zürich aufgelegt, aber nur privat.</p>
<p><strong>Wer ist Vanita?</strong></p>
<p>Vanita ist eine andere DJane.</p>
<p><strong>Wie sagt man eigentlich? DJane? She-DJ?</strong></p>
<p><em>Herr Mehr, der neben uns weitere Brocki-Familienfotos in Brocki-Bilderrahmen spannt, frotzelt: «Muschi-Mischer!» Gelächter.</em></p>
<p>Ich sage: DJane.</p>
<p><strong>Du und Vanita, kennt ihr euch?</strong></p>
<p>Flüchtig. Vanita kommt ursprünglich aus dem Appenzell, ist schon ziemlich erfolgreich und produziert auch selber. Bevor wir zusammen auftreten, werden wir uns aber treffen und ein wenig austauschen.</p>
<p><strong>Der letztjährige <a href="http://www.verfaultegeschichten.ch/2012/08/20/partly-reclaimed-schaffhausen-feat-rhybadi-al-nzn/" target="_blank">NZN-Outdoor-Sommer</a>, eure <a href="http://www.verfaultegeschichten.ch/2013/01/31/elektro-aus-dem-velo-anhanger/" target="_blank">Veloanhänger-Aktion an Silvester</a>, die vielen grossen und kleinen Partys in Clubs – ihr habt ein wildes Jahr hinter euch&#8230;</strong></p>
<p><em>Herr Mehr skandiert: «Rave!»</em></p>
<p><strong>Nun zwitschern die Vögelein von den Dächern, dass bald die neue NZN-Outdoor-Saison beginnt. Wie weit sind die Vorbereitungen schon gediehen?</strong></p>
<p>Wir sind voll in den Startlöchern. Ein Datum haben wir auch schon diskutiert. Das wird dann noch herausgegeben. Wir sind uns am Gedanken machen, wo wir hin sollen, sind am Herumstreunern und Schauen, welche Location für die erste NZN am besten ist. Das ist in Schaffhausen ja nicht so einfach. Dann machen wir NZN-DJs uns auch Gedanken, welche Gast-DJs wir buchen sollen. Und KOONI macht sich ans Deko-Konzept. Hoffentlich macht uns das Wetter keinen Strich durch die Rechnung. Ach, wir freuen uns riesig!</p>
<p><strong>Weil letztes Jahr alles so gut war?</strong></p>
<p>Es war nicht einfach alles super. Es gab beispielsweise ein paar Leute, die Jacken geklaut haben. Aber im Grossen und Ganzen wars sehr toll. Weil es so etwas in Schaffhausen schon lange nicht mehr gegeben hat. Dass draussen in familiärer Atmosphäre gefeiert werden konnte – mit guten Leuten, zu guter Musik.</p>
<p><em>Alle zusammen: «Rave! Rave! Rave!»</em></p>
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		<title>MOSA Nature Warrior Tribe</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Apr 2013 16:01:14 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Sie sind Anfang zwanzig, haben gerade mal sechs Gigs gespielt und die ersten Aufnahmen hinter sich. Doch Rune Dahl Hansen, Yannick Franzoi, Gian-Luca Eberle und Joël Bührer sind bereits nach eineinhalb Jahren Bandgeschichte derart eng zusammengewachsen, dass man meine könnte, MOSA Nature sei ihr drittes oder viertes Ding. Es mag daher kommen, dass sie nirgends so viel Zeit verbringen, wie in ihrem Proberaum unter dem Kulturcafé B45. Instrumente, Amps und ein Sofa auf knappen vierzehn Quadratmetern. Wandzeichnungen von Florian Amsler, Fabrice Jr. Spahn und KOONI zeugen von ausgedehnten Sessions mit Freunden. Der Raum wirkt wie eine geschrumpfte Version des Schauplatzes ihres ersten Konzerts im Haus mit der Uhr am Platz. Dort, an der sogenannten Abriss-Fete, spielten MOSA Nature als erste von sechs Bands, vor den Fifty Million Frenchmen, Plain Zest, Deadverse, den Raving Mads und dem Lo Fat Orchestra. Es war ihre Lärm- und Schweisstaufe. Zwei Monate später, im November 2012, spielten MOSA Nature als Vorband der Aeronauten im TapTab. Dann, mit der jungen Schaffhauser Band The Daisies, an einer Ausstellung in einem Atelier an der Rheinstrasse. Da war aus dem Wunsch, zum ersten Mal ins Studio zu gehen, längst ein Plan geworden. Vor den Aufnahmen, erzählen sie mir, hätten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie sind Anfang zwanzig, haben gerade mal sechs Gigs gespielt und die ersten Aufnahmen hinter sich. Doch Rune Dahl Hansen, Yannick Franzoi, Gian-Luca Eberle und Joël Bührer sind bereits nach eineinhalb Jahren Bandgeschichte derart eng zusammengewachsen, dass man meine könnte, MOSA Nature sei ihr drittes oder viertes Ding.</p>
<p>Es mag daher kommen, dass sie nirgends so viel Zeit verbringen, wie in ihrem Proberaum unter dem <a href="http://www.jash.ch/jugendarbeit/kulturcaf%C3%A9-b45/" target="_blank">Kulturcafé B45</a>. Instrumente, Amps und ein Sofa auf knappen vierzehn Quadratmetern. Wandzeichnungen von <a href="http://famsler.wordpress.com/graphic/annvier-skateboards/" target="_blank">Florian Amsler</a>, Fabrice Jr. Spahn und <a href="http://www.verfaultegeschichten.ch/2011/11/14/markus-weiss-uber-lea-wackerlin-aka-kooni-contempo-preistragerin-2011/">KOONI</a> zeugen von ausgedehnten Sessions mit Freunden. Der Raum wirkt wie eine geschrumpfte Version des Schauplatzes ihres ersten Konzerts im Haus mit der Uhr am Platz. Dort, <a href="http://www.verfaultegeschichten.ch/2012/08/26/something-to-die-for-schlafzimmerpogo/">an der sogenannten Abriss-Fete</a>, spielten MOSA Nature als erste von sechs Bands, vor den <a href="http://www.fiftymillionfrenchmen.ch/" target="_blank">Fifty Million Frenchmen</a>, <a href="http://plainzest.tumblr.com/" target="_blank">Plain Zest</a>, <a href="http://deadverseband.wordpress.com/" target="_blank">Deadverse</a>, den <a href="http://www.ravingmads.com/" target="_blank">Raving Mads</a> und dem <a href="http://www.myspace.com/lofatorchestra" target="_blank">Lo Fat Orchestra</a>. Es war ihre Lärm- und Schweisstaufe.</p>
<p><a href="http://www.verfaultegeschichten.ch/wp-content/uploads/2013/04/MOSA-Nature-@Abriss-Fete.jpg"><img class=" wp-image-7105 alignnone" title="MOSA Nature @ Abriss-Fete" src="http://www.verfaultegeschichten.ch/wp-content/uploads/2013/04/MOSA-Nature-@Abriss-Fete.jpg" alt="" width="576" height="382" /></a></p>
<p>Zwei Monate später, im November 2012, spielten MOSA Nature als Vorband der <a href="http://aeronauten.ch/" target="_blank">Aeronauten</a> im TapTab. Dann, mit der jungen Schaffhauser Band <a href="http://de-de.facebook.com/pages/The-Daisies/177559352301887" target="_blank">The Daisies</a>, an einer Ausstellung in einem Atelier an der Rheinstrasse. Da war aus dem Wunsch, zum ersten Mal ins Studio zu gehen, längst ein Plan geworden.</p>
<p>Vor den Aufnahmen, erzählen sie mir, hätten sie jede freie Minute im Proberaum verbracht. Jeden Tag gejammt und an den auserwählten Stücken gefeilt. Das war vor und nach dem vierten Gig, den sie draussen in beissender Kälte auf der Basler Klybeckstrasse für Asylsuchende gaben. Der Auftritt war unbewilligt, Joël kesselte noch ein letztes Drum-Solo als die Polizei kam. Die jungen Männer aus aller Herrenländer jubelten, liessen sich zusammen mit der Band und den Instrumenten fotografieren.</p>
<p><a href="http://www.verfaultegeschichten.ch/wp-content/uploads/2013/04/MOSA-Nature-@Basel.jpg"><img class=" wp-image-7108  alignnone" title="MOSA Nature @ Klybeckstrasse, Basel" src="http://www.verfaultegeschichten.ch/wp-content/uploads/2013/04/MOSA-Nature-@Basel.jpg" alt="" width="576" height="382" /></a></p>
<p>Acht Stücke hatten MOSA Nature beisammen. Vier davon sollten aufgenommen werden. Jedes Bandmitglied durfte zwei Stimmen abgeben. Demokratisch gewählt: «Sinking», «Zeppelin Head», «Sore Lips» und «Track 1». Vier Stücke für 400 Franken, die sie vom Auftritt im TapTab gespart hatten.</p>
<p>Aufgenommen wurde im Proberaum der Fifty Million Frenchmen im Kellergeschoss der Neustadt 38. Der Engineer hiess Gregor Spitzer, Drummer der Frenchmen und von Plain Zest, der dort mit der Unterstützung von <a href="http://www.startrack.ch/" target="_blank">Startrack-Studio</a>-Mann und Band-Mate Gavin Maitland alles einrichtete. Spitzer habe sie im Suff angesprochen. Und obwohl bereits Aufnahmen in Bern verabredet waren, entschieden sich MOSA Nature für die Heimat.</p>
<p>Ein Glücksfall. Wie in den eigenen vier Wänden, konnten sie an der Neustadt 38 ohne Zeitdruck probieren – bis alle Stücke sassen. Man hört es den Aufnahmen an, dass nicht gross gebastelt werden musste. Die Band spielte, irgendwann wurde der Recordknopf gedrückt. Diese Arbeitsweise führte dazu, dass schliesslich fünf Songs im Kasten waren. Frontmann Rune hatte während der Aufnahmen ein neues Stück fertig geschrieben und die Band bekam vom Aufnahmeleiter die Zeit, daran zu arbeiten, bis «Suicide Soul» aufgenommen werden konnte.</p>
<p>Am 7. März vermeldeten MOSA Nature <a href="http://www.facebook.com/MOSAnature?fref=ts" target="_blank">auf ihrer Facebook-Seite</a>: «Our demo is DONE, it&#8217;s on soundcloud! Much love to Gregi, Gavin and Fifty Million Frenchmen who did all the recording, mixing and mastering! What a ridiculously good sound quality for a demo. FUCK YEAH!»</p>
<iframe width=" 100%" height="450" scrolling="no" frameborder="no" src="http://w.soundcloud.com/player/?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Fplaylists%2F3923464&amp;color=ff6600&amp;auto_play=false&amp;show_artwork=true"></iframe>
<p>Ausgewählte Selbstbeschlagwortung ihres Demos: «Alternative», «Stoner», «Hatefuckdestroy», «Kamikaze». Rune, Yannick, Gian-Luca und Joël haben dermassen unterschiedliche Hintergründe, dass sie sich der Einordnung in musikalischen Schubladen verweigern.</p>
<p>Sänger/Gitarrist Rune verehrt Nick Cave und singt mit melancholischer Stimme Zeilen wie: «I found a way to breathe under water». Yannick hat seine ganze Jugend lang Hardcore und Punk gehört, spielt live Bass, wie wenn es um sein Leben gehen würde und singt die zweite Stimme wie ein Engel auf Heroin. Gian-Luca legt verrückte Gitarrenlinien über Songlänge, hält das Instrument unter seinem Wuschelkopf wie ein Jazzlehrer. Drummer Joël kommt vom Metal, bearbeitet sein Schlagzeug jedoch nie mit brachialer Gewalt.</p>
<p>Nach ihrem überwältigenden fünften Gig am 17. März in der Fassbeiz sagte mir Rune, er sei ein Pedant, das Gegenteil von Yannick, und er habe das Gefühl, dass das Probleme geben könnte. Vor den Kulissen merkte man nichts davon. MOSA Nature spielten druckvoll wie nie. Und man wurde das Gefühl nicht los, dass die Band jetzt schon zu gross ist für Schaffhausen. Gerade weil sich in der Formation derart unterschiedliche Typen entfalten dürfen.</p>
<p><a href="http://www.verfaultegeschichten.ch/wp-content/uploads/2013/04/MOSA-Nature-@Fassbeiz.jpg"><img class=" wp-image-7115 alignnone" title="MOSA Nature @ Fassbeiz" src="http://www.verfaultegeschichten.ch/wp-content/uploads/2013/04/MOSA-Nature-@Fassbeiz-1024x768.jpg" alt="" width="576" height="382" /></a></p>
<p>Es gibt nicht wenige Bands, die an ihren inneren Widersprüchen zerbrechen, und MOSA Nature ist ein verdammt junges Projekt. Noch verstehen es Rune, Yannick, Gian-Luca und Joël jedoch bestens, aus den ihren eine mitreissende Kraft zu schöpfen. Weil jeder weiss, was ihm gefällt, und jede einzelne Stimme zählt.</p>
<p>Während der Aufnahmen für das Demo hatte der Frenchmen-Frontmann und Künstler <a href="http://www.stefankiss.com/" target="_blank">Stefan Kiss</a> die Idee, Fotos der Band zu schiessen. Kiss hatte in seinem Atelier das Buch <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_People_of_Kau" target="_blank">«Die Nuba von Kau» (1976, Ullstein)</a> rumliegen, eine Naturvolk-Foto-Studie von Leni Riefenstahl, und fasste den Plan, die Bandmitglieder mit Gesichtsbemalungen eben dieser Nuba zu fotografieren.</p>
<p>Der Schlagzeuger wollte eine andere Bemalung und wählte die Farben der Figur Tonto aus der Comic-Verfilmung «The Lone Ranger», <a href="http://www.youtube.com/watch?v=W_z4QihFiIE" target="_blank">die im August dieses Jahres in die Kinos kommt</a>. Die Bandfotos wurden in der Nacht geschossen. Kiss blitzte die vier Bandmitglieder mit den bemalten Gesichtern vor einer Schilfpflanze. Die vier aufstrebenden Musiker blicken in die Kamera wie ein eben entdeckter Stamm, dessen Entdecker besser das Weite suchen sollte.</p>
<p><a href="http://www.verfaultegeschichten.ch/wp-content/uploads/2013/04/IMG_1690.jpg"><img class="alignnone size-large wp-image-7133" title="MOSA Nature Warrior Tribe – eine Inszenierung von Stefan Kiss" src="http://www.verfaultegeschichten.ch/wp-content/uploads/2013/04/IMG_1690-1024x508.jpg" alt="" width="560" height="277" /></a></p>
<p>MOSA Nature Warrior Tribe. Ein starkes Bild. Und eine nette Spielerei. Denn Rune, Yannick, Gian-Luca und Joël bevorzugen nach wie vor den ungeschminkten Auftritt, wollen die Inszenierung nicht zu ihrem Markenzeichen machen. Auch das werden sie im Proberaum ausdiskutiert haben.</p>
<p><em>Dieser Text entstand nach einem Gespräch mit Rune, Yannick und Joël im MOSA-Nature-Proberaum und mit Stefan Kiss im TapTab. Das Foto vom ersten Auftritt hat Yannicks Mutter geschossen, dasjenige vom vierten Gig auf der Basler Klybeckstrasse Marvin, ein guter Freund der Band. Zudem: Der sechste Auftritt von MOSA Nature fand Ende März im Basler Badhüsli statt. Und nochmal: <a href="https://soundcloud.com/mosa_nature/sets/mos" target="_blank">Hier</a> gibts das Demo mit der «lächerlich guten Soundqualität». Und dito: <a href="http://www.facebook.com/MOSAnature?fref=ts" target="_blank">Hier</a> informieren dich MOSA Nature aus erster Hand.<br />
</em></p>
<div class='wpfblike' style='height: 40px;'><fb:like href='http://www.verfaultegeschichten.ch/2013/04/15/mosa-nature-warrior-tribe/' layout='default' show_faces='true' width='400' action='like' colorscheme='light' send='false' /></div>]]></content:encoded>
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		<title>Fassbeiz, weshalb, warum (2)</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Apr 2013 12:38:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erne</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es war ein Experiment: Anstatt die Fragen, die sich mir zum Ende des Genossenschaftsbetriebs in der Fassbeiz stellten, im Stillen an aktive und ehemalige GenossenschafterInnen zu richten und irgendwann einen Artikel mit ihren Antworten zu veröffentlichen, habe ich sie von Anfang an öffentlich gestellt. Ich wollte damit einen Raum für eine Diskussion schaffen, die nicht von persönlichen Anschuldigungen geprägt sein sollte, und erhoffte mir gerade dadurch, dass ich bereit war, eigene Fehler auszustellen, eine differenzierte Debatte. Das war naiv. Zwar kam auch fundierte Kritik, aus den meisten Rückmeldungen sprach jedoch Unverständnis bis Wut über mein Vorgehen. Man fragte mich, was ich mit den Fragen eigentlich bezwecke. Oder wie ich dazu komme, irgendwelche Vermutungen über die Fassbeiz und die Genossenschaft zu verbreiten. Und dann hagelte es auch persönlichen Anschuldigungen, die dazu führten, dass ich einen Beitrag auf Facebook löschen musste. Am 5. April schrieb ich dort: Der Teaser auf unserer FB-Seite vom 23. März zum Ende der Fassbeiz Genossenschaft wurde gelöscht. Dies, weil die Kommentarfunktion dafür missbraucht worden ist, um Einzelpersonen anzuschuldigen. Und genau das dürfen wir nicht zulassen. Weder hier noch auf unserem Blog, wo gegenwärtig eine Debatte stattfindet. Diese Debatte soll dazu führen, die Gremien der Genossenschaften von der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war ein Experiment: Anstatt die <a href="http://www.verfaultegeschichten.ch/2013/04/02/fassbeiz-weshalb-warum/" target="_blank">Fragen, die sich mir zum Ende des Genossenschaftsbetriebs in der Fassbeiz stellten</a>, im Stillen an aktive und ehemalige GenossenschafterInnen zu richten und irgendwann einen Artikel mit ihren Antworten zu veröffentlichen, habe ich sie von Anfang an öffentlich gestellt. Ich wollte damit einen Raum für eine Diskussion schaffen, die nicht von persönlichen Anschuldigungen geprägt sein sollte, und erhoffte mir gerade dadurch, dass ich bereit war, eigene Fehler auszustellen, eine differenzierte Debatte.</p>
<p>Das war naiv. Zwar kam auch fundierte Kritik, aus den meisten Rückmeldungen sprach jedoch Unverständnis bis Wut über mein Vorgehen. Man fragte mich, was ich mit den Fragen eigentlich bezwecke. Oder wie ich dazu komme, irgendwelche Vermutungen über die Fassbeiz und die Genossenschaft zu verbreiten. Und dann hagelte es auch persönlichen Anschuldigungen, die dazu führten, dass ich einen Beitrag auf Facebook löschen musste. <a href="http://www.facebook.com/pages/Verfaulte-Geschichten/153327404719341" target="_blank">Am 5. April schrieb ich dort</a>:</p>
<blockquote><p>Der Teaser auf unserer FB-Seite vom 23. März zum Ende der Fassbeiz Genossenschaft wurde gelöscht. Dies, weil die Kommentarfunktion dafür missbraucht worden ist, um Einzelpersonen anzuschuldigen. Und genau das dürfen wir nicht zulassen. Weder hier noch auf unserem Blog, wo gegenwärtig eine Debatte stattfindet.</p>
<p>Diese Debatte soll dazu führen, die Gremien der Genossenschaften von der Webergasse 13 – ihre interne Kommunikation, ihre Entscheide und ihre Kommunikation untereinander – zu hinterfragen. Es geht darum, zu verstehen, wie es zum gegenwärtigen Schlamassel kommen konnte. Es geht nicht darum, einen Schuldigen zu finden.</p>
<p>Aus keinem anderen Grund wurden die Fragen gestellt. Fragen, die zudem laufend präzisiert, erweitert oder ganz gestrichen werden, falls sie in die falsche Richtung zielen.</p></blockquote>
<p>Das wäre eventuell zu verhindern gewesen, wenn ich die Gründe für mein Experiment ausführlicher benannt hätte. Wobei sich ein paar Leute wohl selbst dann vor den Kopf gestossen gefühlt hätten, denn sie scheinen der Ansicht zu sein, dass nur GenossenschafterInnen mitreden dürfen und Fragen von ausserhalb nur auf den üblichen Wegen erlaubt sind. Aber egal. Ich hole an dieser Stelle nach, was ich verpasst habe:</p>
<p>Ich war nie Genossenschafter der Fassbeiz und Stammgast nur bis zum Rauchverbot. Dennoch ging mir das Ende der Fassbeiz als Ort, an dem es keinen Chef braucht, an die Nieren. Und ich nahm mir deshalb das Recht heraus, mich mit den Gründen dieses Endes auseinanderzusetzen. Daran hat sich nichts geändert. Ich wollte und will verstehen, was in den letzten Jahren mit der Fassbeiz geschehen ist, was alles zum Entschluss führte, die Fassbeiz nun nicht mehr gemeinschaftlich zu bewirtschaften. Auch, weil ich der Überzeugung bin, dass gemeinschaftliches Wirtschaften nach wie vor funktioniert. Beispielhaft dafür sind in etwas grösserer Entfernung der <a href="http://www.schwarzerengel.ch/" target="_blank">Schwarze Engel</a>, in weniger grosser der <a href="http://www.gasthofzumwidder.ch/" target="_blank">Widder</a> und in unmittelbarer die <a href="http://schaeferei-bar.ch/" target="_blank">Schäferei</a>, die Anfang Mai ihr Fünfjahresjubiläum begiesst. Seit zwei Jahren unabhängig und mit schwarzen Zahlen.</p>
<p>(Ich verstehe es nach wie vor nicht ganz, obwohl ich meine, die eine oder andere strukturelle Veränderung und den einen oder anderen operativen Entscheid ausgemacht zu haben, die dazu führten, dass die Fassbeiz in ein paar Wochen verpachtet werden muss.)</p>
<p>Dazu kam, dass die Berichterstatter der lokalen Presse nicht vermochten, die vielen Gründe für die Misere offen zu legen. Ausser Neuigkeiten, Erinnerungen an bessere Tage und Anschuldigungen an die Adresse des letzten Teams war da nicht viel. Obwohl kein Medium mit den Leuten gesprochen hatte, die dort die letzten Monate Tag für Tag und Abend für Abend in der Küche und im Service schufteten. Es ist so typisch für unsere Stadt: Mit Verantwortungsträgern wird gesprochen, mit allen, die von solchen Entscheiden auch noch betroffen sind, kein Wort.</p>
<p>Und da das letzte Team auch persönlich mit Anfeindungen konfrontiert wurde, wollte ich den Blick auf die Ereignisse der letzten Jahre ausweiten. Denn es kann nicht genug betont werden: Niemand wollte, dass es so weit kommt, niemand handelte böswillig. Die operativen Entscheide und strukturellen Veränderungen der letzten Jahre, die nun, im Jahr 2013 des Herrn, zum Ende der Genossenschaftsbeiz führen, wurden – im Gegenteil – in bester Absicht vorgenommen.</p>
<p>Das Experiment mag gescheitert sein. Sei es, weil mein unkonventionelles Vorgehen Leute verprellte, die mir auf herkömmlichem Weg vielleicht Antworten geliefert hätten. Sei es, weil die Gehässigkeiten hinter den Kulissen noch zunahmen. Andererseits führte es aber auch dazu, dass ich nicht wenige meiner Fragen überarbeiten musste und nun präziser nachhaken kann.</p>
<p>Ob nun noch aktive und ehemalige GenossenschafterInnen Rede und Antwort stehen werden, wird sich zeigen. Klar ist jedoch: Die Story wird geschrieben werden.</p>
<div class='wpfblike' style='height: 40px;'><fb:like href='http://www.verfaultegeschichten.ch/2013/04/11/fassbeiz-weshalb-warum-2/' layout='default' show_faces='true' width='400' action='like' colorscheme='light' send='false' /></div>]]></content:encoded>
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		<title>Fassbeiz, weshalb, warum?</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Apr 2013 10:11:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erne</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie bloss konnte es so weit kommen? Das frage ich mich, seit ich weiss, dass der Genossenschaftsbetrieb in der Fassbeiz endgültig aufgegeben wird. Ich erfuhr bereits vor Wochen davon, weil ich mit Leuten sprach, die dort arbeiten. Und ich werde nicht der einzige gewesen sein, der mit ihnen ins Gespräch kam, denn sie waren traurig und verzweifelt. Als später auch öffentlich bekannt gegeben wurde, dass die Genossenschaftsbeiz am Ende ist und ein Pächter gesucht wird, um den Betrieb aufrecht zu erhalten, erwartete ich kritische Fragen der Presse. Doch es wurden keine gestellt. Und als eine neue Pächterin gefunden war, standen die Zeichen vollends auf Zukunft – Guten Neuanfang, Mona Schümperli, und viel Glück! Wie bloss konnte es so weit kommen? Ich erinnere mich, dass ich mir diese Frage schon einmal gestellt habe. Vor etwa eineinhalb Jahren, als das Gerücht kursierte, die Fassbeiz solle zur Aktiengesellschaft umfunktioniert werden, weil das Loch in der Kasse nicht mehr zu stopfen sei. Doch dann kamen sie: Zig SchaffhauserInnen leerten ihr Kässeli (die Rede ist von einem sehr grossen und sehr vielen kleineren Batzen), retten die hochverschuldete Fassbeiz Genossenschaft vor dem Ende und versprachen, künftig besser aufs Geld zu schauen. Es entstand eine Verwaltung, eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie bloss konnte es so weit kommen? Das frage ich mich, seit ich weiss, dass der Genossenschaftsbetrieb in der Fassbeiz endgültig aufgegeben wird. Ich erfuhr bereits vor Wochen davon, weil ich mit Leuten sprach, die dort arbeiten. Und ich werde nicht der einzige gewesen sein, der mit ihnen ins Gespräch kam, denn sie waren traurig und verzweifelt. Als später auch öffentlich bekannt gegeben wurde, dass die Genossenschaftsbeiz am Ende ist und ein Pächter gesucht wird, um den Betrieb aufrecht zu erhalten, erwartete ich kritische Fragen der Presse. Doch es wurden keine gestellt. Und als eine neue Pächterin gefunden war, standen die Zeichen vollends auf Zukunft – Guten Neuanfang, Mona Schümperli, und viel Glück!</p>
<p>Wie bloss konnte es so weit kommen? Ich erinnere mich, dass ich mir diese Frage schon einmal gestellt habe. Vor etwa eineinhalb Jahren, als das Gerücht kursierte, die Fassbeiz solle zur Aktiengesellschaft umfunktioniert werden, weil das Loch in der Kasse nicht mehr zu stopfen sei. Doch dann kamen sie: Zig SchaffhauserInnen leerten ihr Kässeli (die Rede ist von einem sehr grossen und sehr vielen kleineren Batzen), <a href="http://www.schaffhausen.net/2011/11/schaffhauser-fassbeiz-war-knapp-vor-dem.html" target="_blank">retten die hochverschuldete Fassbeiz Genossenschaft vor dem Ende</a> und versprachen, künftig besser aufs Geld zu schauen. Es entstand eine Verwaltung, eine Geschäftsleitung und ein neues Barteam, mit welchem das Leben in die Beiz zurückkehrte. Und ich hörte auf, Fragen zu stellen. Ein Fehler, den ich hier und heute nicht wiederholen werde, wie gut die Aussichten mit der neuen Pächterin auch immer sein mögen.</p>
<p>Ich stelle also Fragen, eine um die andere. Und da ich mit Sicherheit die eine oder andere vergessen werde, bist du herzlich eingeladen, mitzufragen – via Kommentarfunktion, <a href="http://www.facebook.com/pages/Verfaulte-Geschichten/153327404719341" target="_blank">Facebook</a> oder <a href="http://www.verfaultegeschichten.ch/kontakt/" target="_blank">Mail</a>. Du findest, eine Frage müsse anders gestellt oder ganz gestrichen werden, weil sie den Blick auf die Ereignisse der letzten Jahre eher vernebelt als erhellt? Auch gut, bitte mit Begründung. Im besten Fall bekommen wir hier so die wichtigsten Fragen zusammen, die uns vielleicht irgendwann so etwas wie Antworten liefern können.</p>
<p><strong>1.</strong> Wieso wird in der Fassbeiz kein Falkenbier ausgeschenkt? Ist was dran an der Story, die Falken-Chefetage habe sich anno 1978 geweigert, Bier zu liefern? Und falls da was dran ist, was würde uns das über den Stellenwert der Fassbeiz in den Gründerzeiten sagen?</p>
<p><strong>2.</strong> Welchen Stellenwert hat die Fassbeiz heute? Wie ist es dazu gekommen, dass sich gegenwärtig die halbe Stadt an der Diskussion über die Zukunft der Fassbeiz beteiligt?</p>
<p><strong></strong><strong>3.</strong> Weshalb findet keine öffentliche Debatte über die Gründe des Zusammenbruchs der Fassbeiz Genossenschaft statt, während die Schuldfrage so oder so gestellt und auch beantwortet wird – bloss hintenrum?</p>
<p><strong>4.</strong> Warum treffen die Anschuldigungen zuallererst die letzte Geschäftsleitung, die gerade mal vier Monate Zeit hatte, die Fassbeiz wieder auf Kurs zu bringen?</p>
<p><strong>5.</strong> Stimmt es, dass die letzte Geschäftsleitung in den ersten beiden Monaten 2013 eine – wenn auch marginale – Umsatzsteigerung erwirtschaftete?</p>
<p><strong>6.</strong> Stimmt es, dass die Fassbeiz Genossenschaft seit fünf Jahren ein verlustreiches Jahr ans andere reiht? Also seit 2008, als die damalige Geschäftsleitung das schweizweite Rauchverbot vorweg nahm und sich vis-à-vis an der Webergasse in die Schäferei einmietete, um die RaucherInnen nicht ganz zu vertreiben? Für zusätzliche 3&#8217;200 Franken Miete pro Monat?</p>
<p><strong>7.</strong> Wann wurde die Bäckerei an der Webergasse 46 als Produktionsstätte für den Catering-Service dazu gemietet? Vermochten die Umsätze aus dem Fassbeiz-Catering-Service die neuen Aufwände zu tragen?</p>
<p><strong>8.</strong> Gab es damals Stimmen innerhalb der Genossenschaftsbeiz, welche dieser Expansions-Strategie kritisch gegenüber standen? Wenn Nein: Warum nicht? Wenn Ja: Weshalb konnten sie sich nicht durchsetzen?</p>
<p><strong>9.</strong> Weshalb wurde das Konzept der Beiz nach der Rettungsaktion im Herbst 2011 nicht hinterfragt? Weshalb wurde die <a href="http://schaeferei-bar.ch/" target="_blank">Schäferei</a> – sie schreibt heute als unabhängige Genossenschaft schwarze Zahlen – in die Selbständigkeit entlassen, die Fassbeiz aber nicht von Altlasten wie der Bäckerei befreit? Und hätte man nicht allerspätestens dann sehen müssen, dass eine rauchfreie Fassbeiz und damit eine Fassbeiz ohne TrinkerInnen, nicht rentieren konnte? Eine Fassbeiz zumal, die <del>gegen 7&#8217;000</del> <span style="color: #ff0000;">5&#8217;700</span> Franken monatliche Miete an die Dachgenossenschaft entrichten musste?</p>
<p><span style="color: #ff0000;">«Warum sprecht ihr eigentlich alle immer von 7&#8217;000 Franken Miete?!», fragte mich ein enervierter Genossenschafter in der Nacht vom 3. auf den 4. April am Telefon. Und gab die Antwort gleich selbst: Darin sei die Miete für die Bäckerei enthalten, deshalb würden immer alle von 7&#8217;000 Franken sprechen. Die Miete für Restaurant und Wohnung im 1. OG, welche als Büro dazu gemietet worden sei nach dem Umbau der Küche, habe 5&#8217;700 Franken betragen. Ich korrigiere die Zahl also nach unten, auf 5&#8217;700 Franken, und markiere die Stelle rot – wie diesen Einschub und fortan alle Präzisierungen und Anmerkungen. Die Fragen 9. &#8211; 11. lasse ich hingegen stehen. Erstens, um den Fehler öffentlich zu machen. Zweitens, weil 5&#8217;700 Franken Monatsmiete immer noch hoch sind für eine Beiz wie die Fassbeiz.<br />
</span></p>
<p><strong>10.</strong> <del>Gibt</del> <span style="color: #ff0000;">Gab</span> es in Schaffhausen eigentlich eine andere Beiz vergleichbarer Grösse, die <del>7&#8217;000</del> <span style="color: #ff0000;">5&#8217;700</span> Franken Monatsmiete abdrücken <del>muss</del> <span style="color: #ff0000;">musste</span>?</p>
<p><del><strong>11.</strong> Nehmen wir an, dass über die Jahre, in denen die Fassbeiz noch Gewinne erwirtschaftete, 7&#8217;000 <span style="color: #ff0000;">5&#8217;700</span> Franken pro Monat an die Dachgenossenschaft überwiesen wurden: Wohin ist dieses Geld geflossen? Alles in den Unterhalt? Wurden Reserven für wirtschaftlich schwierige Zeiten angehäuft? Und selbst wenn ein Grossteil davon in den verlustreichen fünf Jahren wieder in den Betrieb zurückfloss: Wo ist der Rest? Gab und gibt es innerhalb des ganzen Genossenschaftsbetriebs eine Art Quersubventionierung von finanziell schwachen Konzepten wie der Bücherei oder des Fassladens?</del></p>
<p><del><strong>12.</strong> Wem sind solche Zahlen bekannt? Wie wird an der Webergasse 13 kommuniziert?</del></p>
<p><del><strong></strong></del><span style="color: #ff0000;">Zwei Rückmeldungen am 3. und 4. April zeigen, dass diese Fragen falsch gestellt worden sind – weil sie falsch verstanden werden können. Nämlich so, dass ich an dieser Stelle die Bücherei oder den Fassladen schlecht machen will. Das ist aber nicht der Fall. Ich finde es gut, dass es den Fassladen gibt und die Bücherei, in der ich nicht wenige Bücher gekauft habe. Worum es mir eigentlich ging und immer noch geht: Seit Jahren kursiert das Gerücht über eine angebliche Querfinanzierung der Bücherei und des Fassladens durch die Fassbeiz, unter Genossenschaftern wie unter Gästen. <span style="color: #ff9900;"><span style="color: #ff0000;">Weshalb? Liegt es nicht auch – wie ich weiter oben suggerierte – an einer Unklarheit darüber, wofür das Geld aus der Miete der Fassbeiz all die Jahre, über die noch Geld reinkam, verwendet wurde?</span><del></del> <span style="color: #ff0000;">Die Fragen müssen also lauten:</span></span></span></p>
<p><span style="color: #ff0000;"><strong>11.</strong> Wie konnte das Gerücht entstehen, dass die Dachgenossenschaft mit einem Teil der Miete der Fassbeiz die Bücherei und den Fassladen quasi querfinanzieren würde?<del style="color: #ff0000;"></del><br />
</span></p>
<p><span style="color: #ff0000;"><strong>12.</strong> Was sagt die blosse Tatsache, dass dieses Gerücht seit Jahren kursiert, darüber aus, wie an der Webergasse 13 kommuniziert wird?</span></p>
<p><strong>13.</strong> Wenn nach der Rettung 2011 von einem besseren Controlling gesprochen wurde, wie konnte es da ein Jahr dauern, bis wiederum Alarm geschlagen wurde?</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Zusatzbemerkung/Zusatzfragen des Genossenschafters, der bereits die Fragen 9. &#8211; 11. präzisierte: Offiziell seien ein Verlust von 90&#8217;000 Franken und ein Personalkostenanteil am Gesamtumsatz von 60 Prozent  kommuniziert worden. Gerüchten zufolge sei darin ein beträchtlicher Anteil (man spricht von knapp der Hälfte) alter Verbindlichkeiten – sprich: Überstunden – enthalten gewesen. Verbindlichkeiten, welche 2011 von der alten, aufgelösten Betreibergenossenschaft übernommen worden seien. Stimmt das? Und falls Ja: Wusste man von Anfang an von diesen Belastungen?</span></p>
<p><strong>14.</strong> Wer in der Fassbeiz Genossenschaft fällte nach der Rettung die operativen Entscheide für den Beizenbetrieb? Die neue Verwaltung? Die neue Geschäftsleitung?</p>
<p><strong>15.</strong> Weshalb kam keiner der Entscheidungsträger auf die Idee, sich mit Genossenschaftsbeizen kurzzuschliessen, die auch strengere Rauchverbote erfolgreich überstanden haben? In St. Gallen etwa oder in Winterthur? War auch nur einer oder eine von ihnen jemals im <a href="http://www.schwarzerengel.ch/" target="_blank">Schwarzen Engel</a> oder im <a href="http://www.gasthofzumwidder.ch/" target="_blank">Widder</a> und hat die GenossenschafterInnen gefragt, wie sie wirtschaftlich überleben?</p>
<p><strong>16.</strong> Warum hört man nun an vielen Ecken und Enden, eine Genossenschaftsbeiz funktioniere nicht mehr und es brauche einen starken Mann bzw. eine starke Frau, die den Laden schmeisst? Wenn es in Güllen oder Winti doch funktioniert? Oder nur schon die Schäferei gleich gegenüber das Gegenteil beweist?</p>
<p><strong>17.</strong> Wenn die letzte Geschäftsleitung inklusive Belegschaft auf Ende April schon entlassen und der Fassbeiz Genossenschaft inklusive Verwaltung der Vertrag für die Beiz von der Dachgenossenschaft schon gekündigt wurde: Weshalb hat sich die Fassbeiz Genossenschaft nach all den gemachten Tatsachen nicht gleich selber aufgelöst? Ist das eine Absicherung, falls es mit dem neuen Pächter-System doch nicht klappen sollte?</p>
<p><strong>18.</strong> Was macht die Fassbeiz Genossenschaft ohne Beiz? Gemeinsame Ausflüge in die Natur?</p>
<p><strong>19.</strong> Was macht die entlassene, letzte Geschäftsleitung? Was die entlassene Belegschaft?</p>
<p><strong>20.</strong> Weshalb gab es keinen Sozialplan für Leute, die so leicht keinen neuen Job bekommen werden?</p>
<p><strong>21.</strong> Stimmt es, dass die neue Pächterin der alten Belegschaft angeboten hat, dass sie weiter arbeiten können? Wer von der alten Belegschaft wird darauf eingehen? Wer nicht? Und wieso nicht?</p>
<p><del><strong>22.</strong> Stimmt es, dass die neue Pächterin 3&#8217;000 <span style="color: #ff0000;">1&#8217;000</span> Franken weniger pro Monat für die Fassbeiz bezahlen wird? Weshalb hat man <span style="color: #ff0000;">die Dachgenossenschaft</span> dieses Angebot der letzten Geschäftsleitung nicht gemacht?</del></p>
<p><span style="color: #ff0000;">Zusatzbemerkung des Genossenschafters, der bereits die Fragen 9. &#8211; 11. präzisierte: Auf Betreiben der letzten Geschäftsleitung (oder des Teams) sei im Spätsommer/Herbst ein externes Gutachten zur Mietpreissituation erstellt und für eine Mietpreisreduktion berücksichtigt worden. Frage 22. wird deshalb gestrichen.</span></p>
<p>&#8230;</p>
<p><strong><span style="color: #ff0000;">666</span>.</strong> Weshalb wird Leuten, die jetzt nicht einfach frohen Mutes in die Zukunft schauen, vorgeworfen, sie würden die Fassbeiz endgültig begraben? Kann man denn frohen Mutes in die Zukunft schauen, ohne die Vergangenheit gründlich befragt zu haben? Was sagt das über Gemüter aus, die dazu im Stande sind?</p>
<div class='wpfblike' style='height: 40px;'><fb:like href='http://www.verfaultegeschichten.ch/2013/04/02/fassbeiz-weshalb-warum/' layout='default' show_faces='true' width='400' action='like' colorscheme='light' send='false' /></div>]]></content:encoded>
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		<title>Frauen feiern</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Mar 2013 17:51:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Verfaulte Geschichten</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die ersten 2&#8217;500 Zeichen aus Schaffhausen für das brandneue «Saiten» kommen von Susi Stühlinger. Die AL-Kantonsrätin und Begründerin des Frauenstammtisches blickt darin auf das grandiose Fest am Weltfrauentag im Cardinal zurück – und nicht weniger euphorisch in die Zukunft: Die Feierlichkeiten zum Tag der Frau am 8. März hatten es in sich. Ein euphorisierter Gast schrieb Tags darauf ins soziale Netzwerk: «Die beste Party in Schaffhausen seit 1978!» Salomé, Wirtin im Club Cardinal sagt, das habe sie noch nie erlebt, dass wirklich alles Bier, alles, weg war, obwohl die Vorräte auch noch für den nächsten Tag hätten reichen sollen. Der Ursprung dieses denkwürdigen Ereignisses liegt im Herbst 2012, als Schaffhausen ein neues Parlament wählte. Die Wahlliste der AL versammelte zwar die meisten Frauen überhaupt, doch taten sich viele von ihnen schwer mit dem Gedanken, sich auch künftig bei dem eingespielten Männerklüngel zu engagieren. Die Schreibende beschloss, dem Abhilfe zu schaffen und rief darum den AL-Frauenstammtisch ins Leben, auf dass frau sich regelmässig in ungezwungener Atmosphäre über das lokale politische Geschehen austauschen könne. Bei der Gründungsversammlung waren mehr als zehn Frauen anwesend – was für Schaffhauser Verhältnisse nicht wenig ist –, und das Prädikat «AL» fiel sogleich weg, um auch andere [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die ersten 2&#8217;500 Zeichen aus Schaffhausen für das brandneue «Saiten» kommen von Susi Stühlinger. Die AL-Kantonsrätin und Begründerin des Frauenstammtisches blickt darin auf das grandiose Fest am <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Weltfrauentag" target="_blank">Weltfrauentag</a> im Cardinal zurück – und nicht weniger euphorisch in die Zukunft:</p>
<p>Die Feierlichkeiten zum Tag der Frau am 8. März hatten es in sich. Ein euphorisierter Gast schrieb Tags darauf ins soziale Netzwerk: «Die beste Party in Schaffhausen seit 1978!» Salomé, Wirtin im <a href="http://www.clubcardinal.ch/" target="_blank">Club Cardinal</a> sagt, das habe sie noch nie erlebt, dass wirklich alles Bier, alles, weg war, obwohl die Vorräte auch noch für den nächsten Tag hätten reichen sollen. Der Ursprung dieses denkwürdigen Ereignisses liegt im Herbst 2012, als Schaffhausen ein neues Parlament wählte. Die Wahlliste der AL <a href="http://www.verfaultegeschichten.ch/2012/09/17/remmidemmi-am-frauenstammtisch/">versammelte zwar die meisten Frauen überhaupt</a>, doch taten sich viele von ihnen schwer mit dem Gedanken, sich auch künftig bei dem eingespielten Männerklüngel zu engagieren. Die Schreibende beschloss, dem Abhilfe zu schaffen und rief darum den AL-Frauenstammtisch ins Leben, auf dass frau sich regelmässig in ungezwungener Atmosphäre über das lokale politische Geschehen austauschen könne.</p>
<p>Bei der Gründungsversammlung waren mehr als zehn Frauen anwesend – was für Schaffhauser Verhältnisse nicht wenig ist –, und das Prädikat «AL» fiel sogleich weg, um auch andere Frauen linker Gesinnung teilhaben zu lassen. An der ersten Sitzung befassten wir uns schwerpunktmässig mit dem Thema «Kulturpolitik» und stellten am Rande entsetzt fest, dass das Schaffhauser Kulturleben, insbesondere im Bereich Musik, nach wie vor von männlichen Wesen dominiert wird. Kurzerhand entschlossen sich die Frauen, den 8. März zu feiern, mit ausschliesslich Frauen auf und hinter der Bühne. Das klappte auch fast, die Planung lief zügig und unkompliziert, lediglich eine Tontechnikerin war nicht aufzutreiben, dafür standen insgesamt fünf Frauen an besagtem Abend auf der Bühne und drei hinter den Plattentellern. Dass die Frauen in der Schaffhauser Musikszene (noch) dünn gesät sind, hatte zumindest einen Vorteil: Das Programm war kunterbunt, und es mischten sich Punks mit Technofreaks und Alternativ-Pop-Liebhabern wild durcheinander und feierten in den mit den Konterfeis bekannter Feministinnen dekorierten Räumlichkeiten bis in die Morgenstunden.</p>
<p>Wie viele von ihnen dadurch für die Sache der Frau sensibilisiert worden sind, spielt dabei gar nicht unbedingt eine Rolle. Wichtig ist vielmehr, dass die engagierten Organisatorinnen aus den Reihen des Frauenstammtisches sich selbst und der Welt gezeigt haben, dass etwas möglich ist – und auch in Zukunft möglich sein wird. Und das nicht nur im Bereich Kultur, sondern auch in Sachen Wohn- und Lebensraum, Familien- und Integrationspolitik, Bildung, Mobilität und vielem mehr. We can do it!</p>
<div id="attachment_7042" class="wp-caption alignnone" style="width: 570px"><a href="http://www.verfaultegeschichten.ch/wp-content/uploads/2013/03/Anhang-12.jpg"><img class="size-large wp-image-7042" title="Anhang 1" src="http://www.verfaultegeschichten.ch/wp-content/uploads/2013/03/Anhang-12-1024x682.jpg" alt="" width="560" height="372" /></a><p class="wp-caption-text">Die starke Pose zum «We can do it!» – Foto: Bea Will</p></div>
<address> </address>
<div class='wpfblike' style='height: 40px;'><fb:like href='http://www.verfaultegeschichten.ch/2013/03/27/frauen-feiern/' layout='default' show_faces='true' width='400' action='like' colorscheme='light' send='false' /></div>]]></content:encoded>
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		<title>«Saiten wird schärfer, schlanker, schöner»</title>
		<link>http://www.verfaultegeschichten.ch/2013/03/24/saiten-wird-scharfer-schlanker-schoner/</link>
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		<pubDate>Sun, 24 Mar 2013 16:34:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Verfaulte Geschichten</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Ostschweizer Kulturmagazin «Saiten» wagt den Relaunch. Ab April erscheint es im neuen Gewand und mit neuen Inhalten. Gefeiert wird am 26. März in der Grabenhalle. Wir Schaffhauser Kolumnist/innen hoffen, dass Schnaps bereit steht und die Musikanlage bis zum Anschlag aufgedreht ist. Denn der Neustart des Magazins bedeutet für uns Freude und Leid zugleich, und diesen Klassiker unter den emotionalen Widersprüchen löst man – der Balkanerer macht es vor – am besten mit Klarem und lauter Musik auf. Wehmütig werden wir feiern, weil der «Saiten»-Relaunch Konsequenzen hat für die plusminus 3&#8217;500 Zeichen über Schaffhauser Medien, Politik, Sport oder Musik, die wir – Anna Rosenwasser (SN), Susi Stühlinger (WOZ), Jürg Odermatt (VG) und Christian Erne (VG) – ein Jahr lang Monat für Monat nach St. Gallen schickten. Wie alle anderen «Rundflüge» auch, wird unsere Kolumne um 1&#8217;000 Zeichen abgespeckt – und erscheint künftig wieder im Zweimonatsrhythmus, da wir uns den Platz mit Winterthur teilen müssen. Erfreut feiern wir hingegen, weil nur 1&#8217;000 Zeichen weniger pro Region mehr viel Vielfalt in die Rubrik bringt (geschüttelt von einem letzten, kurzen Heulkrampf: fortan heisst sie «Perspektiven») bzw. zwei neue Regionen: das Rheintal und Rapperswil. Mit Schaffhausen, Winterthur, Toggenburg, Appenzell, Thurgau, Vorarlberg macht das dann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Ostschweizer Kulturmagazin <a href="http://saiten.ch/" target="_blank">«Saiten»</a> wagt den Relaunch. Ab April erscheint es im neuen Gewand und mit neuen Inhalten. Gefeiert wird <a href="http://grabenhalle.ch/kalender/26.03.2013/SAITEN+WIRD+NEU/144111" target="_blank">am 26. März in der Grabenhalle</a>.</p>
<p>Wir Schaffhauser Kolumnist/innen hoffen, dass Schnaps bereit steht und die Musikanlage bis zum Anschlag aufgedreht ist. Denn der Neustart des Magazins bedeutet für uns Freude und Leid zugleich, und diesen Klassiker unter den emotionalen Widersprüchen löst man – der Balkanerer macht es vor – am besten mit Klarem und lauter Musik auf.</p>
<p>Wehmütig werden wir feiern, weil der «Saiten»-Relaunch Konsequenzen hat für die plusminus 3&#8217;500 Zeichen über Schaffhauser <a href="http://www.verfaultegeschichten.ch/2012/03/01/sibasiechinna-furas-kulturmagazin/">Medien</a>, <a href="http://www.verfaultegeschichten.ch/2012/05/31/aufwertungsposse-um-ein-bad-rhyloaded/">Politik</a>, <a href="http://www.verfaultegeschichten.ch/2012/06/26/erwartbares-zur-fussball-europameisterschaft/">Sport</a> oder <a href="http://www.verfaultegeschichten.ch/2013/01/31/elektro-aus-dem-velo-anhanger/">Musik</a>, die wir – Anna Rosenwasser (SN), Susi Stühlinger (WOZ), Jürg Odermatt (VG) und Christian Erne (VG) – ein Jahr lang Monat für Monat nach St. Gallen schickten. Wie alle anderen «Rundflüge» auch, wird unsere Kolumne um 1&#8217;000 Zeichen abgespeckt – und erscheint künftig wieder im Zweimonatsrhythmus, da wir uns den Platz mit Winterthur teilen müssen.</p>
<p>Erfreut feiern wir hingegen, weil nur 1&#8217;000 Zeichen weniger pro Region mehr viel Vielfalt in die Rubrik bringt (geschüttelt von einem letzten, kurzen Heulkrampf: fortan heisst sie «Perspektiven») bzw. zwei neue Regionen: das Rheintal und Rapperswil. Mit Schaffhausen, Winterthur, Toggenburg, Appenzell, Thurgau, Vorarlberg macht das dann insgesamt acht.</p>
<p>Die Redaktion verspricht im neuen Heft zudem mehr Reportagen und mehr Meinungen. Redaktor Peter Surber schreibt, <a href="http://www.ost-blog.ch/sous-sol-stadt-st-gallen/" target="_blank">Andreas Kneubühler </a>kommentiere ab sofort regelmässig die Stadtpolitik, Asylsuchende erhielten eine Stimme und Schriftstellerin <a href="http://www.woz.ch/1039/dorothee-elmiger/meine-fragen-sind-wer-ist-noch-da-wo-sind-sie-und-mit-wem-kann-ich-mich" target="_blank">Dorothee Elmiger</a> (die Autorin von <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/dorothee-elmiger/einladung-an-die-waghalsigen.html" target="_blank">«Einladung an die Waghalsigen»</a>) habe als Kolumnistin gewonnen werden können. «Saiten» werde profilierter, meinungsstärker, diskussionsfreudiger und biete damit mehr Inhalte – bei gleichzeitig schlankerem Erscheinungsbild: «Das Magazin erhält ein neues Layout, mit etwas mehr ‹Luft› und weniger Gedränge als bisher. Die Schrift wird neu, das Format etwas anders. Am Werk sind die jungen St. Galler Grafiker <a href="http://www.typo-stgallen.ch/freitag/buro-collective/" target="_blank">Samuel Bänziger, Larissa Kasper und Rosario Florio</a>. Das Ganze propagieren wir mit den Schlagzeilen: Saiten wird schärfer. Saiten wird schlanker. Saiten wird schöner.»</p>
<p>Na dann, schärferes, schlankeres, schöneres «Saiten», auf dich: <em>Sto godina</em>! Schnaps! Musik!</p>
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		<title>«GUZ: Der beste Freund des Menschen» ‒ vorgehört!</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Mar 2013 14:46:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erne</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit seinem letzten Solo-Album «Mein Name ist GUZ» (Trikont/Richie) sind fünf Jahre ins Land gezogen. Fünf Jahre, während derer Olifr Maurmann einen Herzinfarkt überlebte und dennoch nicht aufhörte, wie ein Verrückter Musik zu machen. Nun – vier Platten und fünf Tourneen mit den Aeronauten, der Zukunft und den Zorros und einem Berg an Produzentenjobs (für Manuel Stahlberger, King Pepe, Nadja Zela, The Peacocks, Baby Jail oder Tom Krailing) im Star Track Studio später – legt der gute Mann nach. Sein mittlerweile siebter, im Alleingang produzierter Tonträger wird «GUZ: Der beste Freund des Menschen» heissen und voraussichtlich im September käuflich zu erwerben sein. Dass ich bereits jetzt, ein geschätztes halbes Jahr vor dem Release-Termin, darüber schreibe, ist dem Glück geschuldet, dass mir Olifr in einer kalten Februarnacht den Album-Roh-Mix in die Hände drückte. Wir waren gerade von einem seiner fünf CH-Mini-Tour-Gigs, zu welchen ich ihn jeweils chauffierte hatte, nach Schaffhausen zurückgekehrt. Er sagte, ich solle da mal reinhören. Die Reihenfolge der Lieder sei noch nicht bestimmt und zwei bis drei müssten wahrscheinlich noch raus, damit alles auf eine LP passe. Einen Monat später schiebe ich den Rohling in meinen Rechner und drücke: ► Wo das Aeronauten-Doppelalbum «Too Big To Fail» aufhört, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit seinem letzten Solo-Album «Mein Name ist GUZ» (Trikont/Richie) sind fünf Jahre ins Land gezogen. Fünf Jahre, während derer Olifr Maurmann einen Herzinfarkt überlebte und dennoch nicht aufhörte, wie ein Verrückter Musik zu machen.</p>
<p>Nun – vier Platten und fünf Tourneen mit den <a href="http://www.aeronauten.ch/" target="_blank">Aeronauten,</a> der <a href="http://www.myspace.com/lazukunft" target="_blank">Zukunft</a> und den <a href="http://www.voodoorhythm.com/zorros.htm" target="_blank">Zorros</a> und einem Berg an Produzentenjobs (für <a href="http://manuelstahlberger.ch/" target="_blank">Manuel Stahlberger</a>, <a href="http://www.kingpepe.ch/" target="_blank">King Pepe</a>, <a href="http://www.nadjazela.com/nadjazela_1.com/Home.html" target="_blank">Nadja Zela</a>, <a href="http://www.thepeacocks.ch/" target="_blank">The Peacocks</a>, <a href="http://www.babyjail.com/de/startseite.html" target="_blank">Baby Jail</a> oder <a href="http://cosmoalleymusic.com/wp/" target="_blank">Tom Krailing</a>) im <a href="http://www.startrack.ch/" target="_blank">Star Track Studio</a> später – legt der gute Mann nach. Sein mittlerweile siebter, im Alleingang produzierter Tonträger wird «GUZ: Der beste Freund des Menschen» heissen und voraussichtlich im September käuflich zu erwerben sein.</p>
<p>Dass ich bereits jetzt, ein geschätztes halbes Jahr vor dem Release-Termin, darüber schreibe, ist dem Glück geschuldet, dass mir Olifr in einer kalten Februarnacht den Album-Roh-Mix in die Hände drückte. Wir waren gerade von einem seiner fünf CH-Mini-Tour-Gigs, zu welchen ich ihn jeweils chauffierte hatte, nach Schaffhausen zurückgekehrt. Er sagte, ich solle da mal reinhören. Die Reihenfolge der Lieder sei noch nicht bestimmt und zwei bis drei müssten wahrscheinlich noch raus, damit alles auf eine LP passe.</p>
<p>Einen Monat später schiebe ich den Rohling in meinen Rechner und drücke: ►</p>
<p>Wo das Aeronauten-Doppelalbum <a href="http://www.aeronauten.ch/html/aeronautenpressetext2012.pdf" target="_blank">«Too Big To Fail»</a> aufhört, fängt GUZ‘ neue Platte an – mit einem Instrumentalstück. Kesselpauke, Shaker und Gitarre bereiten den Boden für eine triumphale Trompete: <em>General GUZ befreit Pyongyang</em>. Und Ennio Morricone reitet mit.</p>
<p>Der beste Freund des Menschen will spielen – mit seiner Musiksammlung, mit Zitaten, mit dir: «Ich würde dauernd im Kreis rumrennen, wenn ich nicht gefesselt wär. Ich würde dauernd im Hof rumschreien, wenn ich nicht geknebelt wär. Schlag mich vor, schlag mich zurück, schlag mich mit dem Rübenstück – Es wird Zeit, dass du deinen Arsch jetzt in meine Richtung schiebst!» Denn GUZ ist <em>Lektrizität</em>.</p>
<p>Es folgen <em>Sommer 1984</em>, <em>Morgen gehörte uns</em>, <em>Neid</em>, <em>Kleiderladen</em> und <em>Hassloch</em>. GUZ erprobte die neuen Songs bereits während der besagten Mini-Tour. Entweder mit der akustischen Gitarre und einem Beat-Gerät oder mit seiner crazy Neuerwerbung: einer E-Gitarre mit eingebauter Drum-Maschine. Auf dem Album kommen nun die Songs stärker, welche live vom Gestampfe aus dem Roland 606 beinahe erdrückt wurden: <em>Sommer 1984</em>, das hier gänzlich ohne Schlagzeug auskommt. Nur die Gitarre, der Gesang und ein Klavier wachsen an zu einer ergreifenden Hommage an die Liebe in Zeiten des Punkrocks. Oder auch <em>Hassloch</em>, bei dem zwar bald ein Schlagzeug einsetzt, doch so sacht, dass der Gesang über dieses Kaff auf der deutschen Landkarte nie an Kraft verliert.</p>
<p>Im Gegenteil dazu: <em>Neid</em> – live ein Hit! Im Refrain sang GUZ über grungige Riffs: «Neid, Neid», liess einen letzten ausklingen und schrie in den Saal hinein: «Iiiiiiiiiiich bin zerfressen von Neid» – um dann wieder mit aller Kraft in die Saiten zu hauen. Die Aufnahme vermag diese Gewalt nicht wiederzugeben. Aber das kann ja noch werden.</p>
<p>Mit <em>Kleiderladen</em> ist die Sache komplizierter: GUZ zieht darin einen roten Faden vom Sündenfall im Paradies zu den Orten, wo zuverlässig die grösste Scheissmusik läuft, denn die Gewahrwerdung der eigenen Nacktheit führt zum Kleiderzwang und der Kleiderzwang direkt in den Kleiderladen. Die Scheissmusik gibt auf dem Album eine Dixieland-Kapelle, was live schwierig nachzuspielen ist, weshalb GUZ ganz darauf verzichtete und ohne Beat in die Klampfe griff. Das Stück funktioniert jedoch so oder so. Dito: <em>Morgen gehörte uns</em>. Weil dir der Refrain – mit kryptischem Text: 3 x «Morgen gehörte uns», 3 x «Gestern», dafür umso eingängigerer Gesangs-, Gitarren- und Klaviermelodie – live wie ab Platte das Herzlein aufmacht.</p>
<p>Apropos Klavier. Der Mann mit der Gitarre hat sich mit dem Instrument angefreundet. Es bringt den Pathos in die Stücke, die es vertragen können: <em>Morgen gehörte uns</em>, <em>Sommer 1984</em>. Dafür hat GUZ keinen Klimperer engagiert. Wie fast alle Instrumente auf dem Album – ausser hie eine Trompete (Aeronauten-Bläser Motte in <em>General GUZ befreit Pyongyang</em>), da eine Klarinette (Aeronauten-Bläser Greipel im zweiten Instrumental <em>La notte del morti viventi</em>) und die Chöre – hat er das Klavier selber eingespielt.</p>
<p>Apropos Chor. In <em>Anpumpen</em> beginnt GUZ mit der Gitarre, sampelt Vogelgezwitscher, lässt Streicher im Pizzicato folgen, bevor er zur Melodie von <a href="https://www.youtube.com/watch?v=eDdI7GhZSQA" target="_blank"><em>Hey Jude</em></a> singt: «Wir werden immer jemand – finden, den wir anpumpen können». Ein Chor setzt ein und vollendet die Schnorrer-Hymne. Nüchternes Fazit: Hit! Hit! Hit!</p>
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<p>«Mein Name ist GUZ» war ein Album wie aus einem Guss: GUZ&#8217;scher Blues und Text. Das neue Album wird abwechslungsreicher, weil GUZ experimentiert wie in seinen frühen Jahren: Neben den Instrumentalstücken könnte auch <em>Stilles Haus</em> als Filmmusik durchgehen. Für einen Film über einen Vampir auf Codein, der des Nachts die Wüste durchstreift. <em>Liebe beisst</em> erinnert an <em>1 bis 10</em> oder andere alte Songs aus der Feder des Meisters. Und <em>Beobachten und auswerten</em> – das obligate Stück über Ausserirdische, denn GUZ ist ein Experte auf dem Gebiet – ist nie gehörte Jungle-Rhythm-Space-Americana.</p>
<p>Was also weglassen? Eventuell <em>Nachtsichtmodus</em>. Oder auch <em>Drogen nehmen und rumfahren</em>. Das Lied ist ohne Frage ein Knaller. Aber GUZ fügt der Neueinspielung seines Songs, den er anno 2010 für Die Zukunft schrieb und mit Bernadette La Hengst und Knarf Rellöm einsang, nur wenig Neues hinzu. Der säuselnde Synthie kommt zwar besser als die Streicher im Original, aber Bernadettes Stimme fehlt dafür umso schmerzlicher:</p>
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<p>Möglicherweise auch <em>La notte del morti viventi</em> – obwohl auch das schade wäre. Um den Titel in wunderbarstem Falsch-Italienisch. Um das Stück. Um alle Stücke, die es nicht auf die Platte schaffen werden. Wir machen das so: In fünf Monaten ist ein neues Vinyl-Format erfunden, auf das 52 Minuten GUZ passen. Klar?</p>
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